Die Sache mit der UV Aktivität bei Angelködern….

UV aktive Köder

Das Thema UV-Aktivität beschäftigt Angler ja seit einigen Jahren immens. Betrachtet man das Thema aber nüchtern, kommt man zu der Erkenntnis, dass hier auch viel gehypt wird, was eigentlich in der Praxis kaum von Relevanz ist. Nüchtern betrachtet kann ein Köder der UV Aktive Farbmuster/Spots hat, nur dann seine Stärken ausspielen, wenn auf diese Spots auch UV Licht scheint. Soweit logisch, oder? Aber schauen wir uns mal einige der gängigen Wobblerfarbdecore mal an. Die Stelle, die am stärksten für UV Strahlen exponiert ist, ist der Rücken. Eigentlich logisch, die Sonne scheint ja von oben herab. Je nach Uhrzeit und Stand der Sonne, kann es aber auch sein, dass die Seiten mit UV Licht in Kontakt kommen, auch das sollte soweit nachvollziehbar sein.

UV-aktiver Wobbler

Und jetzt die große Frage: Wieso verpassen viele Hersteller ihren Köder einen UV aktiven Bauch? Selbst wenn der Wobbler flankt oder sich leicht dreht und wackelt, ist die Wahrscheinlichkeit doch relativ gering, dass die Unterseite jemals genug UV Licht abbekommt um den Köder für den Fisch attraktiver zu machen. Etwas anders sieht es hier vielleicht in flachen Gewässern aus, dort kann es durchaus zu einer Art Reflektion der UV Strahlen vom Gewässergrund kommen, allerdings findet dies nur in einem sehr begrenzten Rahmen statt und dann auch nur bei klarem Wasser und ruhiger Wasseroberfläche. Also nochmal: Wieso sollte man seinen Ködern einen UV aktiven Farbanstrich auf der Köderunterseite verpassen? Macht doch eigentlich keinen Sinn…

UV-aktiver Wobbler

Daiwa Airity LT 3000D-C – Rollen Noblesse von Daiwa

Daiwa Airity LT

Daiwa Airity LT

Wie bereits in einem der vorherigen Posts erwähnt, gibt es mittlerweile den Trend beim Angeln eher als Statussymbolträger am Ufer der Gewässer entlang zu flanieren und somit seinen Mitmenschen zu zeigen, dass man Kohle hat, dass man es geschafft hat und ein gemachter Mann/Frau oder irgendwas Undefiniertes dazwischen ist. Um dieser Strömung Rechnung zu tragen, möchte ich heute mal die teuerste von Daiwa vertriebene und NICHT in Japan produzierte Süßwasserspinnrolle aus dem 2022ger Katalog vorstellen, die Daiwa Airity LT. Die technische Ausstattung kann sich, wie in der Preisklasse um die 300€ üblich, durchaus sehen lassen. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um eine LT (Light&Tough) Rolle, es wurden also Leichtbaukomponenten (das Daiwa eigene Zaion Material) verwendet. Dies spiegelt sich letztlich auch im Gewicht der Rolle wieder. Insgesamt sind 8 hochwertige Kugellager verbaut, davon je nach Rollengröße zwishcen 3-5 CRBB Lager. Um es kurz zu machen: Schaut man in den aktuellen Daiwa Katalog, findet man folgende Auflistung an zusätzlichen technischen Eigenschaften und Technologien, welche in dieser Rolle verbaut sind:

Bremskraft: 1000/2000: 5kg, 2500-4000: 10kg

  • LT (Light & Tough)
  • DS5 AIR ROTOR
  • CNC gefrästes Tough DIGI-Gear Getriebe
  • ATD Bremssystem
  • Permanent wirkende Infinite Anti-Reverse Rücklaufsperre
  • Cross Wrap Schnurverlegung
  • MQ Monocoque ZAION Rollenkörper
  • CNC gefräste Aluminiumkurbel
  • Hi-Grip Kurbelknauf
  • AIR BAIL Rollenbügel
  • Twist Buster II Schnurlaufröllchen
  • MAGSEALED Body Konstruktion
  • 8 Kugellager
  • MAGSEALED Kugellager an der Seitenachse
  • Longcast ABS Aluminiumspule

Je nach Modell kann man dem Katalog folgende Spezifikationen entnehmen:

Modell Kugellager Schnurfassung Übersetzung Einzug in cm Gewicht
1000D 8 150/0.20 5.1:1 64 160
2000D 8 150/0.23 5.1:1 67 160
2500D 8 150/0.28 5.2:1 73 185
2500-XH 8 150/0.20 6.2:1 87 185
3000D-C 8 150/0.33 5.2:1 77 195
3000-CXH 8 150/0.23 6.2:1 93 195
4000D-C 8 150/0.37 5.2:1 82 230

Getestet habe ich das 3000er Modell. Im Gegensatz zu den günstigeren Serien setzt Daiwa bei seinen High End Produkten mittlerweile immer mehr auf die Monocoque Technologie. Das bedeutet, dass der Körper mittlerweile aus einem Stück besteht und nicht wie früher aus einem zweiteiligen Gehäuse. Der Vorteil: Geringeres Gewicht, größeres Antriebsritzel und kleiner Rollenkörper im Vergleich zu früher.

Daiwa Airity LT 3000D-C

Daiwa Airity LT 3000D-C – eine wahre Design Schönheit

Wie in dieser Preisklasse zu erwarten, läuft die Rolle sehr leicht und smooth an. Eine absolute Freude. Die Schnurverlegung ist einwandfrei und auch die Bremse startet ruckfrei an und lässt sich sehr fein einstellen. Anglerherz, was willst du mehr?

Der Lieferumfang besteht aus den üblichen Ersatzteilen wie z.B. den Spacern um die Schnurverlegung zu tunen, falls nötig. Zusätzlich neben Explosionszeichnungen liegt der Airity auch ein schwarzes Stoffsäckchen bei, in dem man die Rolle lagern kann.

Daiwa Airity LT 3000D-C

Auch das Monocoque Design fügt sich sehr schön in das Gesamtbild der Rolle ein.

Etwas überrascht war ich, dass Daiwa hier auf die ausschaltbare Rücklaufsperre verzichtet hat. Hier geht man wohl einen ähnlichen Weg, wie Penn oder Quantum (Smoke). Schade eigentlich, da es viele Angler gibt, die den Fisch nicht über die Bremse sondern den Rücklauf drillen (ProfiBlinker sei Dank…). Durch die Mag Sealed Technologie ist es mittlerweile dem Endkunden kaum noch möglich, die Rollen selbst zu warten, da er das entsprechende Fluid nicht selbst zur Hand hat. Aber ganz ehrlich, in der Regel kriegt man die Rollen ohnehin nicht wieder ganz genau so zusammengebaut wie sie vorher waren. Bei den „alten“ Rollen hat man den Seitendeckel abgeschraubt und etwas Fett auf die Ritzel und Öl auf die Kugellager gegeben, das geht heute vielfach nicht mehr. Die Autofahrer kennen das Problem ja…

Seitenansicht Daiwa Airity

Ähnlich wie bei Shimano hat man auch bei Daiwa die Möglichkeit die Rollen zur Wartung einzuschicken. Davon sollte man im Fall des Falles gegen Ende der Saison auch Gebrauch machen. Allerdings muss das über den Fachhändler erfolgen. Direkte Anfragen an Daiwa bringen nichts.

Neue Forellenwobbler aus China

Auch bei den Forellen- bzw. Barschwobblern hat sich 2021 nicht wirklich viel getan. Dementsprechend mau ist gerade auch die Situation bei den chinesischen Clonen innerhalb der einschlägigen Online Plattformen. Nach längerer Suche bin ich aber dann doch auf eine „neue“ Form gestoßen. Diese sieht, zumindest auf den Bildern, recht vielversprechend aus. Wie bei den meisten Fernostwobblern musste ich aber nach Erhalt der Ware feststellen, dass die Drillinge dringend getauscht werden müssen. Außerdem haben die Wobbler leider wieder Geräuschkugeln im Inneren verbaut. Wie ich diese Dinger dick habe… in meinem Hausgewässer reagieren selbst die „doofen“ Satzforellen mittlerweile sehr argwöhnisch wenn ein Köder Rasseln enthält.

Wer kann´s ihnen verdenken, einige von den Forellen sind schließlich nicht umsonst so groß geworden  und haben sich erfolgreich der jährlichen „Ernte“ der Fischer entzogen. Für mich persönlich aber einer der gravierendsten Nachteile ist, dass es wie üblich, die Wobbler nur in einer sinkenden Ausführung gibt.

Das ist insofern ärgerlich, da man mit diesen Ködern einige der sonst an meinem Fluss gängigen Fangpraktiken nicht bewerkstelligen kann denn dafür bräuchte man schwimmende Wobbler. Aber mal sehen wie sich die kleinen Flitzer im Wasser so schlagen. Die Verarbeitung selbst ist in Ordnung, die Farbdecors sind, wie üblich, der chinesische Einheitsbrei. Aber bei einem Preis von umgerechnet 2-3€ Pro Stück kann man natürlich keine Meisterstück erwarten. Zu Beginn der Forellensaison 2022 werde ich versuchen die kleinen Flitzer (hoffentlich erfolgreich) zu testen.

Neue Hechtköder aus China

Hechtköder aus China

Lange Zeit war es jetzt still hier auf dem Blog was Köder aus China betrifft. Das hatte mehrere Gründe. Einerseits gab es im Jahr 2021 eine Verschärfung des Zollgesetzes welche die Verzollung fast sämtlicher aus nicht EU Ländern geschickter Waren zur Folge hatte. Das ist dann natürlich ärgerlich wenn man zum Hauptzollamt, welches in meinem Fall eine gute Stunde entfernt angesiedelt ist, fahren muss um eine Warensendung im Wert von wenigen Euros auslösen darf. Das rechnet sich einfach nicht wobei es mir weniger um den Geldbetrag als vielmehr um die zeitliche Komponente geht. Auf der anderen Seite war ich die letzten Monate immer recht stark beruflich eingespannt und habe kaum Zeit gefunden, mich mit der Fischerei und meinen literarischen Online Umtriebigkeiten zu beschäftigen. Folglich sieht auch meine Fangliste dieses Jahr eher bescheiden aus. Aber es gab auch ein paar Ausnahmefische zu verzeichnen…immerhin.

Aber zurück zu den Ködern. Besonders Wobbler und Swimbaits haben es mir ja schon seit jeher angetan. Aber hier hat sich, wohl bedingt durch Corona, in den letzten 24 Monaten nicht wirklich viel getan. Umso erfreuter war ich, als ich vor einiger Zeit in den Tiefen der einschlägigen asiatischen Online Plattformen eine neue Köderform entdeckt habe. Auch preislich waren die Köder mit umgerechnet knapp 4€ nicht wirklich teuer, bedenkt man, dass man hierzulande dafür ca. 10-15€ für so ein Stück Plastik zahlen muss – abhängig natürlich welcher Markenname dann da drauf steht.

Kurzum, ich habe mir ein paar dieser Köder kommen lassen. Leider konnte ich keinen davon bisher nass machen, aber das macht nichts, die Hechte gehen ohnehin gerade mit großen Schritten auf die Laichzeit zu und haben anderes zu tun als nach flachlaufenden Plastikködern zu schnappen. Aber spätestens zu Beginn der Raubfischsaison im Mai 2022 werden diese Schätzchen eingeweiht.

Besonders interessant ist die Magnethalterung welche sowohl den vorderen als auch den hinteren Drilling am Köderkörper halbwegs fixiert. Auch die Verarbeitung und die Farbdecors sind sehr ansprechend. Allerdings vermute ich mal ganz stark, dass es diese Form bereits von einem anderen, hochpreisigen Anbieter auf dem Markt gibt. Bisher habe ich mir nicht die Mühe gemacht hier eine entsprechende Recherche zu starten aber wenn mal ein paar Minuten übrig sind, werde ich versuchen den „Ursprung“ der Köderform in Erfahrung zu bringen.

Sollte jemand von euch den Namen und den Hersteller des „Originals“ kennen, hinterlasst mir doch einfach einen Kommentar unter dem Post.

 

Nachtrag: Es gibt wohl einen Swimbait von der Firma Megabass, der eine gewisse optische Ähnlichkeit aufweist….

Humminbird Helix 9 G3N

Mit Echoloten ist es so eine Sache. Ein Echolot für alles gibt es nicht. Bevor man sich also ein Sonar anschafft, sollte man auch wissen wofür man es einsetzt. Ich für meinen Teil habe mittlerweile schon ein paar dieser Geräte besessen, genutzt und teils auch wieder verkauft. Aktuell bin ich bei einem Humminbird Helix 9 gelandet. Nachdem ich die letzten Jahre ein Lowrance genutzt hatte und absolut nicht zufrieden war (Gerät stürzte immer wieder ab, Bildschirm zu klein, keine Mapping Funktion usw.) entschloss ich mich, auf ein großeres Exemplar eines anderen Herstellers umzusteigen.

Bei Nebel ist ein Echolot mit GPS machmal unerlässlich.

DIe Mapping Funktion des Humminbird Helix 9 ist echt klasse.

Allerdings war der Umstieg von 5 auf 9 Zoll doch eine kleine Umgewöhnung. Zuerst musste eine neue Stromquelle her. Mit der alten 7Ah Batterie wird man bei einem Heli 9 nicht weit kommen, außerdem ist der Geber so riesig, dass eine Montage via Saugnapf kaum möglich ist. Apropos Monage: Ein 9 Zoll Gerät nimmt in einem Ruderboot schon ordentlich Platz weg. Auch hier muss man sich Gedanken machen wo und wie man das Gerät im Boot befestigt. Aber das sind alles Sachen die man sich im Vorfeld überlegen sollte.

Nach gut einer Saison mit dem Helix 9 bin ich wirklich sehr zufrieden mit dem Gerät. Bisher ist es nur ein Mal abgestürzt (das Lowrance stürzte gefühlt an einem Angeltag mindestens 2-3 Mal ab bei warmen Wetter…), die Auflösung und Darstellung sind super. Aber es gibt auch einige Nachteile:

  • Nach einem Software Update konnte ich die Tastentöne nicht mehr deaktivieren. Das Gepiepte nervt schon ziemlich.
  • Die Bildschirmdiagonale ist im Vergleich zur eigentlichen Gerätegröße deutlich kleiner. Wer meint der Bildschirm würde sich über den Großteil des Geräts erstrecken, irrt nicht ABER die eigentliche Anzeige ist doch deutlich kleiner als man denkt. Das suckt schon ein bisschen.
  • GPS lässt sich nicht deaktivieren. Manchmal braucht man einfach kein GPS, das frisst nur unnötig Strom. Bisher habe ich noch keinen Menüeintrag gefunden, der das GPS deaktivieren kann.
  • Autochart Funktion ist auf 8h beschränkt. Möchte man eine Gewässerkarte von seinem Gewässer erstellen, muss man nochmal 105€ für eine ZeroLine Karte berappen damit man Tiefenlinien länger als 8h aufzeichnen kann. Möchte man diese so gesammelten Daten am PC zu einer 3D Karte etc. weiterverarbeiten, muss man ebenfalls nochmal tief in die Tasche greifen und die sogenannten Autochart Software kaufen. Zwar gibt es die ZeroLine Karte und das Autchart Programm im Bundle günstiger zu kaufen, dennoch ist man deutlich über 200€ was die Kosten betrifft. Das nervt schon gewaltig wen man bedenkt, dass das Echolot alleine schon ca. 1200€ kostet. Das Problem hat man z.B. bei neueren Geräten von Lowrance nicht. Dafür muss man bei Lowrance an einer Art Tauschprogramm teilnehmen (soweit ich weiß). Wer Gewässerdaten runterladen will, muss selbst auch welche zu Verfügung stellen. Ein echter Kuhandel also…

Humminbird Helix 9 mit AutChart Funktion.

Als sehr praktisch hat sich auch die Screenshot Funktion beim Humminbird herausgestellt. Hier kann man interessante Strukturen oder Gebilde unter Wasser einfach als *.png file auf der MicroSD Karte abspeichern.

Zanderangeln mit Gummifisch

Kaum ein bekannter deutscher Angler produziert so viel und vor allem so schnell hochwertigen Content wie Uli Beyer. Sein neuester geniestreich ist ein ausführliches Video über die Fischerei mit Gummifischen auf Zander. Zugegeben, besonders viel Neues ist in dem Video nicht zu finden wenn man mit der Materie vertraut ist. Leute die aber neu in den Thema unterwegs sind erhalten hier einen fundierten Eindruck zu dem Thema. Top Uli, weiter so.

Fundstücke am Wasser – Köderrestauration

Wobbler

Ab und an findet man beim Spinnfischen auch mal was anstatt immer nur was zu verlieren. Wenn man bedenkt, wie viele Köder man beim Spinnfischen so im Wasser lässt und dann hochrechnet, dass es den anderen Angelkollegen mindestens genauso geht, kommt man früher oder später zu der Ansicht, dass die einheimischen Gewässer vermutlich mehr abgerissene Köder als Fisch beherbergen.

In der Regel sind solche Köder nach einiger Zeit im Wasser unansehnlich und die meisten sogar unbrauchbar. Ich denke hier vor allem an Köder aus Holz wie z.B. Wobbler. Aber auch Gummifische und grundsätzlich alle Arten von Metall verlieren nach einiger Zeit im Wasser ihre positiven Eigenschaften. Haken rosten, Gummiköder verfärben sich unansehnlich usw.

Normalerweise findet man im Schilf hin und wieder mal schwimmende Köder oder Posen, interessant sind jedoch oftmals große Hindernisse im Wasser wie z.B. versunkene Bäume, Autos oder Einkaufswägen. Dort bleiben regelmäßig größere Mengen an Ködern kleben. Ein regelrechtes Abernten alle paar Monate macht bei stark befischten Gewässern hier durchaus Sinn. So kann man seine Köderbox auch regelmäßig füllen.

In meinem Fall war es wirklich „Glück“, dass ich den Wobbler aus dem Wasser bergen konnte. Ich fischte von einem Steg aus auf Forelle und mein Wobbler verfing sich mit einem Haken in der Öse eines anderen Wobblers. Zuerst dachte ich, ich würde in den Wasserpflanzen hängen. Immer wenn ich zig, gab es einen gewissen Widerstand der kurz leichter und dann stärker wurde. So konnte ich den Wobbler nach einigem hin und her doch aus dem Krautfeld bergen. Daran hing dann auch noch ein Stahlvorfach und etwas geflochtene Hauptschnur. Meiner Schätzung nach, hing der Köder bereits mehrere Monate im Kraut fest.

Wobbler

Nachdem ich den Köder nach Hause gebracht und gereinigt hatte, vielen folgende Dinge auf. Die Sprengringe waren noch in einem sehr guten Zustand, die Haken mussten gewechselt werden und die Flanken des Köders wiesen einige kleine Löcher auf (vermutlich von Hechtzähnen). Nach einer ersten gründlichen Reinigung mit einer alten Zahnbürste und Seife, konnte ich auch den Hersteller anhand des Logos auf der Unterseite erkennen. Zuerst wurde der Köder eine Woche lang getrocknet, anschließend wurden die Löcher in den Flanken mit 2K Epoxy versiegelt. Die Haken und Sprengringe wurden vorsorglich komplett getauscht.

Eigentlich wollte ich den Köder wieder verwenden aber irgendwie brachte ich es nicht übers Herz dieses Schätzchen erneut nass zu machen. Seitdem fristet er sein Dasein in einer meiner Ködervitrinen.

Daiwa Hybrid Trout Swimbait

Nachdem ich bereits Ende 2019 auf die Daiwa Hybrid Trout recht gut Hechte fangen konnte, entschloss ich mich mir noch ein paar dieser optischen Leckerbissen in die Box zu legen. Gesagt, getan. Kaum war die Leistungsprämie meines Brötchengebers auf meinem Konto, klingelte die Kasse – leider nicht meine sondern die des Händlers. Aber was solls.

Wenn man mal einen Köder gefunden hat, dem man vertraut sollte man sich immer noch ein paar Exemplare auf Reserve holen, schließlich läuft jede Köderserie mal auf. Gerade bei großen Firmen wie Daiwa, Savage Gear und Co kann es schonmal vorkommen, dass ein Köder nach wenigen Jahren aus dem Sortiment verschwindet…oder einfach durch einen Nachfolger ersetzt wird.

Daiwa Hybrid Trout

Außerdem handelt es sich bei den meisten Swimbaits um Köder mit einem nicht unwesentlichen Gummianteil, sprich die Köder sind nach mehreren Bissen ziemlich ramponiert und wenn es nicht gerade ein Ersatzteile gibt, muss man sich einen komplett neuen Köder kaufen. Um dieses Problem zu umgehen habe ich mir noch zwei weitere Farben der Daiwa Hybrid Trout zugelegt. Wer wissen möchte wieso ich auf diesen Köder so größe Stücke halte, sollte sich das Video dazu mal ansehen.

Weitere Infos zur Trout gibts hier.

Westin Tommy the Trout inline

Als eingefleischter Raubfischangler und bekennender Ködersammler bin ich immer auf der Suche nach neuen Ködern für Hecht und Co. Allerdings bin ich im Laufe der Zeit etwas heikel geworden was das betrifft. Nicht jeder Köder schafft es in meine Stammkiste. Dort lagern nur solche Modelle mit denen ich auch schon gefangen habe, solche denen ich vertraue. Grundsätzlich bekommen fast alle Köder bei mir eine Chance. Sollte ich aber bei den nächsten Dutzend Angeltrips nichts darauf fangen, so wandert der Köder entweder in die Vitrine oder wird an einen Angelkumpel weiterverschenkt. Kleine Geschenke erhalten ja bekanntlich die Freundschaft.

Westin Tommy the Trout inline Version

Ende 2019, um Weihnachten herum etwa, entdeckte ich auf einer großen polnischen Angelgeräte Seite ein vielversprechendes Angebot. Dort gab es Tommy the Trout von Westin für knappe 11€ – in der Inline Version. Da ich bereits seit einigen Jahren die Swimbaits von Westin recht erfolgreich fische, schlug ich zu. Allerdings war ich etwas überrascht als ich beim Auspacken feststellte, dass der Köderkorpus aus Kunststoff war – bei den anderen Westin Swimbaits war lediglich der Kopf aus Plastik und der Rest des Köders war aus Gummi, ähnlich wie bei den Castaic Forellen oder den Daiwa Trouts. Nun denn, immerhin sind keine Rasseln im Inneren. Das Inline System dürfte wohl in Zusammenarbeit mit Jens Bursell entstanden sein. In seinem aktuellen Buch Hechte Angeln geht er auf die Vorzüge dieses Systems ausführlich ein.

Westin Tommy the Trout

Sinkend und knapp 90g schwer ist das wahrlich kein kleiner Happen sondern eher was für die Jerkcombo – oder die Schlepperei. Letztendlich bin ich mir noch nicht so sicher wann und vor allem bei welcher Gelegenheit ich den Köder einweihen soll aber ich bin mir sicher ihn 2021 erfolgreich einweihen zu können.

Restauration eines Kraller A42 Ruderboots

Ruderboot Kraller A42

Nachdem mein Ringmaier Boot mittlerweile für 2 Leute etwas zu klein geworden ist, musste ein neuer fahrbarer Untersatz her. Nach einigem Hin und Her fiel die Wahl auf ein Kraller A42 welches ich für gute 1000€ in einem sehr guten Zustand bei ebay Kleinanzeigen erwerben konnte- allerdings ohne Ruder und mit der einen oder anderen Macke im Einlegeboden (bei Kauf unbrauchbar…) und der Außenhaut. Was ich zum damaligen Zeitpunkt, sprich Mitte 2020, noch nicht wusste: Die Außenhaut bei den Krallerbooten besteht aus GelCoat. Das bedeutet, dass man das relativ einfach (nach einem entsprechenden Anrauen) mit 2K Lack überstreichen kann. Ich bin zum damaligen Zeitpunkt aber davon ausgegangen, dass es sich hierbei um einen 1K Außenlack handelt und habe in geistiger Umnachtung die komplette Außenhaut des Boots mehr oder weniger sauber abgeschliffen. Eine echte Drecksarbeit bei der man seiner Gesundheit auch wirlich keinen Gefallen tut. Mal abgesehen davon, dass hierbei in meinem Fall auch die Anschaffung eines guten Exzenter Schleifers sowie mittelpreisigen Schleifmittelscheiben anstand. An dieser Stelle sei gesagt, dass es keinen Sinn macht sich billige Schleifscheiben von Aliexpress oder von Amazon für 10€ pro 50 Stück zu holen. Diese halten nicht auf dem Schleifteller und sind nach 4 Minuten nicht mehr anhaftend. Auch der Abtrag ist minimal. Finger weg, spart euch das Geld und holt euch lieber hochwertigte Schleifmittel im Baumarkt für einen Stückpreis von ca. 1€ pro Scheibe.
Da der GelCoat gerade im Bodenbereich des Boots extrem dick ist, lohnt es sich hier mit 40ger Körnung zu beginnen. Ansonsten schleift ihr euch einen Wolf. Ich für meinen Teil habe für das 420cm lange Boot (mit 1 Tag mit Billigschleifmitteln…) ca. 3-4 Tage für das Abschleifen innen und außen gebraucht. Allerdings habe ich zum Schluss auch einige der Außenbereiche mit GelCoat belassen. Eine Unverträglichkeit mit dem bald zu applizierenden 2K Lack steht hier nicht zu befürchten. Hätte ich das alles vorher gewusste, hätte ich den GelCoat einfach nur angeraut, einige Stellen etwas gespachtelt und dann einfach nur mit 2K Lack über die Außenhaut gepinselt bzw. gerollert. Das wäre günstiger, gesunder und effektiver gewesen. Aber nein, ich musste mich ja von den Beiträgen irgendwelcher Amateuerbootsrestaurier in diversen Angelforen blenden lassen. Eine komplette Außenrestauration inkl. GelCoat-Entfernung macht nur Sinn wenn:

  • Die Außenhaut extrem ramponiert und an vielen Stellen bereits die Glasfasermatten sichtbar sind
  • Man einen großen Garten oder eine Scheune / Garage mit Stromanschluss hat, in der man das Boot restaurieren kann
  • Man an akuter Langeweile leidet und als Mann in der Midlife Crisis ist

Ansonsten empfehle ich jedem wirklich den GelCoat außen am Boot zu belassen. Weiterhin kann ich folgende weitere Tipps geben:

  • Lackiert nur an der frischen Luft und setzt immer nur kleinere Mengen des 2K Lacks an
  • Lackiert den Boden des Boots außen mit mind. 3-5 Schichten, die Seitenwände mit 2-3 Schichten und den Innenraum mit 2 Schichten
  • Achtet auf eure PSA (nein liebe Mediziner, hier ist nicht das Prostataspezifische Antigen gemeint sondern die „Persönliche SchutzAusrüstung“). Atemschutz/Partikelfiltermaske und dicke Arbeitshandschuhe sind Pflicht
  • Achtet beim Anrühren des Lacks auf eine entsprechende Temperatur und eine gewisse Vernetzungsdauer. Benutzt am besten einen Rührer. Die Holzspatel gehen zwar auch aber mit einem Rührer gepaart mit einem Akkuschrauber geht die Sache deutlich schneller voran.

    Schleifen mit dem Exzenter Schleifer

Wenn ihr das Boot irgendwann mal ggf. weiter verkaufen wollt, solltet ihr nicht zu viel an Customizing betreiben. Besonders das Aufschneiden des vorderen und hinteren Auftriebselements ist nicht Jedermanns Sache. Natürlich erhält man dadurch noch mal ordentlich Stauraum dazu, allerdings geht das in gewisser Weise auch auf die Sicherheit des Bootes. Ich für meinen Teil habe absichtlich darauf verzichtet.

Die Arbeit geht selbst mit gutem Schleifmittel nur sehr langsam und mühsam voran.

Wenn das Abschleifen vorrüber ist, seid ihr den letzten 6 Brettern ein gutes Stück näher gekommen, habt vermutlich graue Haare und fragt euch sicherlich permanent ob es das wirklich wert ist? Nun, ich kann euch beruhigen. In den meisten Fällen ist es das definitv nicht. In meinem Fall wäre es absolut nicht notwendig gewesen das Boot zu schleifen. Anrauen und drüber lackieren wäre hier die bessere Wahl gewesen. Aber nun, nachher ist man immer klüger – sofern man das Ganze überlebt.

Hier mal ein Bild des größtenteils angeschliffenem Boots außen. Echt eine Scheißarbeit.

Der nächste Schritt ist das Applizieren des Lackes. Wie oben bereits erwähnt sollte man hier nicht geizen. Nehmt euch ordentlichen 2K Lack auch wenn der etwas mehr Geld kostet. 1K Lack hält nicht annähernd so lange und ihr wollt die Prozedur ja nicht alle 4 Jahre wiederholen. Eure Gesundheit wird es euch danken.

Zwischen dem Abschleifen des Bootes und dem eigentlichen Lackieren lagen knapp 10 Monate. Dies lag einerseits am Zeitmangel und andererseits an einer passenden Location. Das Abschleifen konnte ich bei einem Freund im Garten machen (Danke Johnny), die Lackiererei fand im Frühsommer 2021 dann im Wintergarten eines baufälligen Hauses ohne Strom und Wasseranschluss statt.

Bevor die erste Schicht Lack aufgetragen werden konnte, musste die Oberfläche des Bootes erstmal entfettet werden. Hierfür habe ich handelsüblichen Spiritus verwendet und anschließend mit einem groben Tuch nachgewischt. Zusätzlich wurden von mir noch einige Glasfasermatten im Inneren des Bootes verlegt. Grund dafür ist der aus meiner Sicht recht dünne Boden des Kraller Bootes. Zum Einsatz kamen recht grobe Glasfasermatten die eine entsprechende Stabilität aufweisen. Als Tränkungsmedium kam wiederum 2k Epoxy Harz zum Einsatz.

Nachdem die Matten einlaminiert waren, wurde der Innenraum mit 2K Grundierung von Yachtcare in Weiß gestrichen. Die erste Schicht deckt noch nicht wirklich, man sieht noch den Grund durch. Erst mit der zweiten Schicht erhält man einen schönen, deckenden und kräftigen Weiß-Anstrich. Bevor die Umrandung des Bootes ebenfalls in Weiß gestrichen werden kann, sind kleinere Spachtelarbeiten fällig. Hierfür habe ich ebenfalls normales Epoxy Harz angerührt und mit Microspheres versetzt, bis eine klebrige Pampe dabei heraus kam. Diese Gemisch streicht man dann auf entsprechende Kratzer, Löcher oder sonstige Macken. Nach ca. 24h ist das Zeug trocken. Nun muss man die gespachtelten Stellen so an- bzw. abschleifen, dass diese plan sind. Ist dies erledigt, kann man mit der Lackierung beginnen. In meinem Fall musste ich sowohl außen als auch an der Umrandung einiges Spachteln. Grund dafür war, dass ich den GelCoat auf der Aussenseite des Bootes fast komplett entfernt hatte. Hier zeigte sich, dass die darunter liegenden GFK Matten viele „Augen“ und Senkungen hatten. Das Ganze sah aus wie die picklige Haut eines Teenager – nur halt mit Senkungen und Löchern. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass hier ein Überlackieren der Fläche nichts bringt. Die Senkungen und Löcher laufen leider nicht voll mit Lack und schließen sich nicht selbstständig. Hier muss man spachteln – oder ein hässliches Ergebnis in kauf nehmen.

Zum Thema Lackieren: Ein Anstrich mit dem Pinsel kann ich nicht empfehlen. Ich hab dies auf der Innenseite des Bootes an einer ca. 50x50cm großen Fläche probiert…schaut nicht gut aus. Da ich so etwas bereits vermutet habe, hatte ich mir im Vorfeld bereits ein paar Schaumstoff und Filzrollen besorgt. Folgende Aussagen lassen sich hierzu treffen: Schaumstoffrollen tragen eine dickere Schicht Lack auf als Filzrollen. Allerdings zerlegen sich Schaustoffrollen bei lösungsmittelhaltigen Lacken sehr schnell und zerbröseln dann. Diese Brösel habt ihr dann in der Lackschicht. Das schaut bescheiden aus. Filzrollen sind robuster, tragen aber nur eine geringe Menge an Lack auf. Zudem bröseln und fusseln auch diese Rollen nach einiger Zeit. Auch hier sollte man eine Pinzette bei der Hand haben, mit der man ggf. anfallende Rollenfragmente aus dem Lack zupfen kann. Setzt nicht zu viel Lack an. 2K Lack hat die Angewohnheit recht schnell zu verhitzen wenn man zu große Mengen anmischt. Ihr habt je nach Aussentemperatur ein zeitliches Fenster von ca. 20-40 Minuten in der der Lack halbwegs streich- bzw. rollbar ist. Bei lösungsmittelhaltigen Lacken solltet ihr wirklich eine gute Gasmaske mit passenden Filtern verwenden. Normale FFP Masken bringen hier gar nichts. Ihr springt ja auch nicht in ein Säurefass und sagt: Mir kann nichts passieren, ich hab ne Badehose an….

Auch solltet ihr bei den Arbeiten Einmalhandschuhe tragen. Der Verschleiß ist enorm. In meinem Fall habe ich für die gesamten Lackarbeiten knapp 1,5 Schachteln Einmalhandschuhe aufgebraucht…. was für eine Materialschlacht. Was die Schaumstoff und Filzrollen betrifft: Ich habe mir 10 Filz- und 20 Schaumstoffrollen gekauft gehabt und diese auch fast komplett aufgebraucht. Beachtet bitte bei den unterschiedlichen Lacken auch die unterschiedliche Anmischung. Einige werden nach Volumenanteilen gemessen, andere nach Gewicht. Am einfachsten sind die Lacke, bei denen nach Gewicht angemischt wird. Alternativ könnt ihr auch Lacke nach Gewicht anmischen, die eigentlich nach Volumenanteilen gemischt werden sollten. Hierfür braucht ihr aber die spezifische Dichte von Lack und Härter. Mit der Formel:  „Dichte = Masse /  Volumen“ kann man so recht schnell ausrechnen wie viel Gewicht ihr einwiegen müsst. Dafür die Formel einfach umstellen in: „Dichte * Volumen = Masse“ und schon wisst ihr wie viel ihr einwiegen müsst. Kleiner Tipp am Rande. Die erste Schicht Lack die aufgetragen wird, sollte immer etwas mit einem passenden Verdünner verdünnt werden. Der Verdünner darf aber erst zugegeben werden, wenn die beiden Komponenten Lack und Härter bereits miteinander gewechselwirkt haben. Auch solltet ihr immer eine Flasche Spiritus in der Nähe haben um eure Kleidung von Lackspritzern zu reinigen.

Aber kommen wir nun zur Aussenseite des Bootes. Auch hier wurde erstmal die lösungsmittelhaltige Grundierung von Yachtcare aufgetragen. In Summe zwei Schichten. Nach dem Trocknen wurde die Oberfläche leicht angeschliffen und mit dem TopCoat Lack 3401 von SKresin weiter gearbeitet. Gefühlt lässt sich der lösungsmittelhaltige Lack von Yachtcare leichter verarbeiten und bringt mehr Schichtdicke. Allerdings stinkt er halt auch deutlich mehr.

Wichtig: Es gibt 2K Lacke auf Epoxy- und auf Polyesterbasis. Diese beiden Systeme sind untereinander nicht kompatibel. Entweder ihr verwendet durchgehend Epoxylack oder eben durchgehend Polyesterlack. Ich für meinen Teil wollte ein Boot haben, dass sich optisch ein bisschen von der breiten Masse meiner Mitangler absetzt. Hierfür habe ich die Aussenseite in Tarnfarben lackiert. Das lässt sich recht leicht umsetzen indem man die entsprechenden Stellen mit Malertape abklebt. Funktioniert halbwegs gut solange der Lack nicht zu flüssig ist, und unter das Tape läuft. Wenn ihr euch nicht

unterschiedliche Lackfarben kaufen wollt, könnt ihr mit Farbpigmenten arbeiten. In meinem Fall kamen Farbpigmente aus China zum Einsatz. Diese hatte ich mir bereits für den Angelrutenbau vor einigen Monaten gekauft und immer recht gute Ergebnisse damit erzielt. Einfach wie üblich die beiden Komponenten Lack und Härter mischen, kurz reagieren lassen und anschließend die Pigmente einstreuen und ordentlich vermischen – fertig.

Aufarbeiten des Einlegebodens: Bei meinem Boot war der Einlegeboden leider ziemlich beschädigt. Ich musste die Unterseite abschleifen und mehrfach neu laminieren. Auch hier kam das Epoxyharz in Kombination mit mehreren groben Glasfasermatten zum Einsatz. Auch die Oberseite des Einlegebodens wurde umdekoriert. Zuerst wurde eine normale Schicht Epoxy Harz (klar) aufgetragen. Anschließend wurden immer mal wieder ein paar Ansatzreste der Außenlackierung des Bootes aufgetragen, schließlich will man ja nichts verkommen lassen. Gerade bei der Grundschicht aus Epoxy habe ich noch etwas „Dreck“ in den frischen Lack gestreut nachdem ich ihn bereits appliziert hatte. Eigentlich sollte man das tunlichst vermeiden, zumindest bei der Aussenhaut des Bootes. Aber der Einlegenbogen ist bei nassem Wetter ziemlich rutschig und es ist mehr als einmal passiert, dass ein Angler über Bord ging oder sein Tackle zerstört hat, nur weil er auf dem glatten Boden ausgerutscht ist. Dies verhindert ein rauher Einlegeboden. Natürlich kann man das auch erreichen, indem man einen entsprechenden Bootsteppich verlegt oder Anti-Rutschmatten anbringt… aber ganz ehrlich, das kostet ne Menge Geld (besonders der Teppich…) und erhöht das Bootsgewicht. Dann doch lieber etwas Staub und ein paar kleine Dreckbrösel über die frische Lackschicht streuen und fertig. Natürlich solltet ihr am nächsten Tag zur Sicherheit noch eine weitere fixierende Schicht Lack aufbringen.

Auch die Befestigung des Einlegebodens wollte ich bei meinem Boot etwas professioneller gestalten als es ab Werk der Fall war. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, sind die im Bootsboden eingelassenen schwarzen Querstreben einerseits zur Stabilisierung des Bootskörpers als auch als Auflage für den Einlegeboden gedacht. Im Einlegeboden sind in regelmäßigen Abständen Löcher gebohrt, die zur Aufnahme von Schrauben dienen. Diese Schrauben fassen dann in in den schwarzen Plastik Querstreben. Eine recht pragmatische aber in meinen Augen nicht sonderlich „schöne“ Lösung. An meinem Boot waren Edelstahl Spax verbaut. Wenn man die Dinger 20 x raus und rein dreht, ist bald kein Futter mehr vorhanden indem die Schrauben greifen könnten. Folglich wurden in die Querstreben Edelstahl Gewindeeinsätze verklebt (für M6 Gewindeschrauben). Jetzt kann man problemlos die Schrauben jederzeit lösen und wieder anziehen, ohne dass die Gefahr von zu viel Abrieb besteht.

Trotz der Restauration des Bodens, wollte ich auf Nummer sicher gehen. Der Boden sollte sich bei Belastung nicht so stark biegen um einen möglichen Bruch zu verhindern. Stellt euch mal vor ihr werft gerade, verlagert euer Gewicht auf den Wurffuss und knack, der Einlegeboden des Bootes bricht unter diesem Fuss durch. Im besten Fall verliert ihr das Gleichgewicht und fallt blöd ins Boot, im schlimmsten Fall macht ihr die Ruten kaputt und fallt ins Wasser. Muss ja nicht sein. Dementsprechend wurde der Boden noch mit relativ harten Schaumstoffmatten (der Name ist mir entfallen aber dieses Material wird auch als Dämmstoff für Fassaden benutzt) ausgekleidet. Diese nehmen ordentlich Druck aus dem System bzw. stützen den Einlegeboden. Zusätzlich wurde noch aus einem alten Schwerlastregal ein Einlegeboden entnommen und mit einer Flex entsprechend zugeschnitten, so dass dieser zugeschnittene Einlegeboden perfekt zwischen Querstreben, Dämmmaterial und Einlegeboden passt. Hier sollte nun wahrlich nichts mehr brechen.

Nachdem das geschafft war, wurde der Einlegeboden eingeschraubt und siehe da – alles passt.

Danach wurde die Persenning in Angriff genommen. Hierfür kam eine dicke LKW Plane zum Einsatz. Diese verhindert zwar ein Eindringen von Wasser sehr zuverlässig, ist allerdings auch so dicht, dass im Inneren des Bootes ein ungesundes Mikroklima entsteht. Die hohe Luftfeuchte sorgt dafür, dass z.B. im Boot gelagerte Ruder anfangen zu gammeln, Schrauben und andere Metallelemente fangen an zu rosten usw. Das will man natürlich nicht.  Dementsprechend habe ich versucht, eine Art Belüftungssystem einzubauen – zusätzlich natürlich zu einem Abspannsystem für die Persenning. Das Abspannsystem besteht aus insgesamt zwei Böcken die aus jeweils zwei Brettern bestehen die mit einem Scharnier verbunden sind. Oben auf wurde noch ein kleines geschlitztes PVC Rohr wie es die Elektriker gerne bei Kabelverkleidungen benutzen, geschraubt. Zusätzlich wurde oben drüber noch ein halbes großes PVC Rohr geschraubt, damit sich die Plane nicht an dem Holz und den Ecken aufscheuern kann (sorry, vergessen Fotos davon zu machen…). Besonders kippstabil war diese Lösung zuerst nicht, erst als ich ein Seil vom Bug zum Heck gespannt habe (unter einbeziehung der beiden Böcke), erreichte die Konstruktion eine gute Stabilität.

Am wenigsten Zeit habe ich für die Persenning verwandt. Im Keller lag noch irgendwo eine Plane mit 7,5m x 2,5m Abmessungen herum. Diese wurde letztlich auf ca. 5,5 m eingekürzt. Die Breite ist meiner Meinung nach mehr als ausreichend, die Länge auch. Schließlich will ich genügend Puffer haben für den Fall des Falles wenn ich mir ein anderes Abspannsystem zulegen / basteln oder wenn ich mir ein größes Boot anschaffen sollte. Sicher ist sicher. Außerdem wollte ich den Slipwagen auf dem das Boot die meiste Zeit des Jahres steht, auch noch vor Wind und Wetter schützen.

Auf den Bildern seht ihr das Boot auf dem Slipwagen. Die Persenning ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgespannt, ansonsten würde sich  die Plane deutlich besser an den Bootskörper anschmiegen.

Fazit: Das ganze Projekt hat fast ein gesamtes Jahr gedauert. Würde man die Stunden bzw. die Arbeits- und Wartezeit zusammenrechnen, käme man vermutlich auf gute zwei Wochen. In dieser Zeit hat man auch viel Totzeit in der man warten muss, bis der Lack trocken ist. Theoretisch kann man pro Tag zwei Schichten Lack aufgeben (nass in nass). Morgens eine Schicht und Abends eine Schicht. Erschwerend kam bei mir aber halt noch dazu, dass der Einlegeboden mehrfach gebrochen war und einer intensiv-kreativ Behandlung bedurfte, die Ruder waren zu dünn um sie auf die übliche Kraller bzw. Ringmaier Ruderstifthalterung umzubauen. Auch hier musste ich kreativ werden. Die Ruderbank selbst hat einen Knachs den ich aber ehrlich gesagt nicht laminieren wollte. Stattdesssen habe ich ein entsprechend zugeschnittenes Abwasserrohr drunter geklemmt, funktioniert auch. Ihr seht schon, es war mehr zu tun als nur ein bisschen neue Farbe auf den Bootskörper zu pinseln…

Nun die Frage aller Fragen: Würde ich nochmal ein Boot restaurieren? Ganz ehrlich, ja. Aber nur wenn die entsprechende Location vorhanden ist. Für das Lackieren und die meisten anderen Arbeiten musste ich jedes Wochenende (meistens Sonntags) bzw. im Urlaub von meiner Wohnung zum Boot 1,5h pendeln -einfach. Und das nur um eine oder zwei Schichten Lack aufzutragen. Das zermürbt einen schon ziemlich. Hinzu kommt, dass ich dort keinen Strom, fließend Wasser oder sonstige Sanitäranalagen hatte. Heißt auf Deutsch: Ich musste mit Akkugeräten arbeiten, wenn die Finger schmutzig geworden sind, blieben sie das auch noch eine ganze Weile und am schlimmsten: Wenn die Natur gerufen hat, musste ich in den Wald scheißen. Sorry für diese deutlichen Worte.

Wenn man jetzt eine eigene Immobilie (Haus!!!) mit Garage (und keine pingeligen Nachbarn…) hat, kann man so ein Projekt wirklich sehr entspannt vorantreiben. In meinem Fall war das leider nicht so. Ich hatte wirklich Stress (zwischen den Lackschichten darf nicht zu viel Zeit vergehen, arbeiten muss man ja auch, einkaufen, Haushalt usw. macht sich auch nicht von alleine usw.). Letztendlich bin ich aber froh das Boot restauriert zu haben. „Mein“ Kraller ist halt jetzt mehr oder weniger perfekt auf meine Bedürfnisse zugeschnitten – das ist ja auch was wert. Apropos Wert,  ich rechne mal kurz zusammen was mich der Spaß so an Geld gekostet hat:

  • Boot 1000€
  • Excenter Schleifer mit Schleifmittel 140€
  • Edelstahlschrauben + Inserts 12€
  • Lacke 180€
  • Pinsel, Mischbecher, Microspheres, Epoxy Harz, Streichrollen 70€
  • Persenning (Plane hatte ich bereits im Keller, damals aber Anschaffungskosten von 60€)
  • Slipwagen (gebraucht über einen Freund, 100€)
  • Sonstiges Zubehör 50€
  • Atemschutzmasken und Gehörschutz hatte ich bereits aber hier kann man theoretisch auch 80€ veranschlagen)

Am meisten hat mich der Preis für die Lacke verblüfft. Gut, 2K Lack ist nicht billig aber so teuer hatte ich ihn mir nicht vorgestellt (und ich habe ihn zu den günstigsten Konditionen die ich online finden konnte, gekauft….). In Summe komme ich so bei ca. 1700€ raus. Das ist für ein Kraller Boot kein schlechter Preis. Hätte ich den GelCoat am Boot belassen und nur zwei bis drei Schichten Lack auf die Außenhaut gerollert, wäre ich preislich vermutlich bei gut 1300-1400€ gelandet… Aber wie heißt es doch so schön: Manchmal muss man halt Lehrgeld bezahlen….