Wasserläufer in Nahaufnahme

Wasserläufer

Jeder Angler kennt sie – Wasserläufer. Zumindest in den meisten Stillgewässern sind diese kleinen Insekten omnipräsent. Wie der Sage nach Jesus können diese kleinen Flitzer einfach so übers Wasser huschen. Das liegt zum Einen daran, dass sie sehr leicht sind und ihr Gewicht auf ihre gespeizten haarigen Beine verteilen können und zum Anderen an der Oberflächenspannung des Wassers. Unter Ausnutzung dieser beiden Tatsachen können die Wasserläufer sehr schnell übers Wasser flitzen. Übrigens, über die feinen vibrationsempfindlichen Organe in/an den Beinen sind die Wasserläufer in der Lage ihren Nahrung, ins Wasser gefallene Insekten, aufzuspüren und zu orten – ähnlich wie eine Spinne in ihrem Netz wahrnimmt, wenn sich ein Insekt darin verfangen hat. Wasserläufer haben einen Stachel mit dem sie ihre Nahrung stechen und aussaugen können.

Wasserläufer. Dieses Exemplar ist noch nicht so alt, der Körper hat noch nicht seine spätere langezogene Form.

Wasserläufer Larven reinigen jeden Tag bis zu einem Liter Wasser von Schwebstoffen, Algen ind Einzellern. Verglichen mit der geringen Körpergröße der Tiere ist das eine immense Leistung.

Wasserläufer verbringen den Winter übrigens an Land, versteckt unter Laub und Moosen.

Natürliche Feinde des Wasserläufers sind Fische, Wasserspinnen und andere Insekten. Die Lebenserwartung der Wasserläufer liegt bei ca. 8-12 Monaten.

Wasserläufer – Erwachsenes Exemplar mit der typischen langezogenen Körperform.

Fischotterseminare beim Lfv Bayern

Der Fischotter ist zurück. So oder so ähnlich könnte die Überschrift zu diesem Bericht lauten. Die Bestandszahlen steigen mittlerweile (erfreulicherweise?) immer weiter an wobei man hier natürlich vorsichtig sein muss, da es kaum eine belastbare Datengrundlage über die Populationsdynamik der letzten Jahrzehnte beim Fischotter gibt. Das hat auch der Landesfischereiverband Bayern erkannt und bietet seit mittlerweile fast einem halben  Jahrzehnt die kostenlosen Fischotterseminare für seine Mitglieder an. Bereits 2018 durfte ich für meinen Angelverein das erste Mal an dem Seminar teilnehmen. Damals gestaltete sich das Programm verständlicherweise etwas anders, beispielsweise konnte man nach der ganzen Theorie sein Wissen am Nachmittag gleich in die Praxis umsetzen, heißt es ging auf Spurensuche direkt am Wasser. Mittlerweile sind Präsenzveranstaltungen leider kaum möglich ohne ein entsprechendes strenges Hygienekonzept. Um es den Teilnehmern möglichst einfach zu gestalten, fand das Seminar daher Ende 2021 an einem Samstag online  von 10-14:30 mit einer halbstündigen Mittagspause statt.

Um es vorwegzunehmen, der praktische Teil in Form von Spurensuche am Wasser, Herumgabe von in Gips gegossenen Prantenabdrücken oder das Schnüffeln an einer Kotprobe (lecker…) entfiel natürlich. Stattdessen wurden die Exponate „digital“ präsentiert. Aber der Reihe nach.

Das erklärte Ziel des Landesfischereiverbands Bayern im Fall des Fischotters ist einerseits Aufklärung und Sensibilisierung der angelnden Bevölkerung durch das Seminar als auch Gewinnung von Populationsdaten durch freiwillige Helfer die sich ehrenamtlich am Monitoring beteiligen und mit der Materie auskennen. Langfristig dürfte es hier letztendlich darauf hinaus laufen, dass man den Fischotter, welcher übrigens auch unter das Jagdrecht fällt, in Einzelfällen entnehmen darf.

Ein entsprechender Vorstoß diesbezüglich scheiterte aber aktuell an dem Veto der anderen Naturschutzverbände mit dem Verweis auf fehlende Populationsdaten und dem Schutzstatus des Wassermarders. Auch die Wahl des Fischotters zum Wildtier des Jahres 2021 dürfte manchem Betroffenen (vor allem den Teichwirten) sicherlich wie eine Provokation vorgekommen sein.

Das Seminar gliederte sich in mehrere Sachgebiete, die größtenteils ineinander verflossen bzw. thematisch nicht voneinander trennbar waren.

  • Biologie und Nahrung des Fischotters
  • Verbreitungsgebiet und Bestand
  • Rechtliche Lage
  • Fischottermonitoring

Die Biologie des Fischotters kann man recht kurz und prägnant zusammenfassen. Der Fischotter ist der Längste (nicht der Schwerste) einheimische Marder. Nur der Dachs ist noch schwerer. Seine Gesamtlänge kann bis zu 140cm betragen wobei hiervon maximal 40cm auf den Schwanz, die sogenannte Rute, entfallen. Das Gewicht eines ausgewachsenen Otters liegt in etwa bei 12kg.

Sein Gebiss besteht aus 36 Zähnen (kein anderer einheimischer Marder hat 36 Zähne, die heimischen Wiesel haben 34 Zähne, Baummarder, Steinmarder und Dachs haben jeweils 38 Zähne).

Im Gegensatz zu Biber, Bisam und Nutria hat der Fischotter sowohl an den Vorder- als auch an den Hinterpranten Schwimmhäute zwischen den Zehen. Im weichen Sand kann man diese auch einigermaßen gut an den Abdrücken erkennen. Tagsüber wird man den Otter eher selten sehen da er wie die meisten Marderartigen (abgesehen von den Wieseln) dämmerungs- und nachtaktiv ist. Dieser Umstand macht es auch recht schwierig, genaue Bestandszahlen zu ermitteln. Tagsüber verbringt der Otter die meiste Zeit in seinem am Ufer gelegenen Bau. Dieser hat immer einen Eingang unterhalb der Wasserlinie und einen Notausstieg Richtung Land. Besagter Notausstieg dient gleichzeitig auch der Belüftung des Baus. Tagesverstecke können aber auch Fuchs-, Dachs- und Biberbauten sein. Die Fortpflanzung, die sogenannten Ranz, findet hauptsächlich im Frühjahr (Februar März) statt, ist aber das ganze Jahr über möglich. Im Gegensatz zu einigen anderen Marderartigen gibt es beim Fischotter keine Eiruhe. Die Tragzeit selbst beträgt etwa 2 Monate (~62 Tage). Die 2-4 Jungen werden blind und nur leicht behaart geboren. Die Augen öffnen sich nach spätestens 35 Tagen. Die Nahrung besteht in den ersten Wochen nur aus der Muttermilch. Nach ca. 5 Monaten versiegt die Muttermilch bei der Fähe, also dem weiblichen Tier. Nach ca. 6 Monaten sind die Jungotter soweit selbstständig und bedürfen der Führung durch das Alttier nicht mehr.

Als Nahrung dienen dem Otter nicht nur Fische. Als Nahrungsgeneralist frisst er auch Bisamratten, Krebse, Amphibien und sogar Wasservögel. Bei einem Überangebot an Nahrung kann es vorkommen, dass der Otter sich nur die nahrhaftesten Teile der Beute holt, der Rest des Kadavers bleibt liegen. Dieser Umstand bereitet vor allen den Teichwirten und Fischzüchtern großes Kopfzerbrechen. Der Nahrungsbedarf des Fischotters liegt bei ca. 1kg/Tag. Bei trächtigen bzw. stillenden Weibchen kann dieser aber nach oben hin abweichen.

Der aktuell größte Feind des Otter, mal abgesehen von wütenden Teichwirten und verzweifelten Anglern, dürfte der Straßenverkehr sein.

Interessant für uns Angler ist vor allem die Tatsache, dass der Wassermarder ungern unter Brücken hindurch schwimmt. Den Weg legt er dann doch meistens an Land zurück und hinterlässt unter einigen der durchwanderten Brücken auch seinen Kot. Aus diesem Grund suchen die am Ottermonitoring beteiligten Wissenschaftler oftmals zuerst unter den vom Menschen geschaffenen Bauwerken nach Losung.

Die unterschiedlichen Methoden der Datenerhebung des Fischottermonitorings wurden im Detail vorgestellt und erläutert. Aber vor allem aber durch das Sammeln von Kotproben und anschließender genetischer Untersuchung konnten teils umfangreiche genetische Stammbäume der einzelnen Otter erstellt werden. Wichtig ist hierbei, dass die Kotproben frisch sind, da der genetische Nachweis mit frischem Material am besten gelingt.

Mittlerweile gibt es sogar schon Hunde, die auf das Aufspüren von Otterkot geschult sind und entsprechend vorstehen, wenn sie irgendwo ein Häufchen wittern. Bedenkt man, dass der Otter  eine recht rege Verdauung hat (der Darm ist wie bei allen Fleischfressern entsprechend kurz), wundert es also nicht, dass man zuerst einige der aromatischen Hinterlassenschaften am Wasser findet bevor man den Verursacher (wenn überhaupt) das erste Mal sieht.

Weniger erbaulich sind die Otterschäden in der Teichwirtschaft, also bei den Leuten, die von der gewerblichen Fischzucht leben und damit ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Gerade im Bereich Niederbayern / Oberpfalz leiden viele Fischzüchter oder haben bereits hingeschmissen. Ein unkompliziertes Entschädigungsverfahren wie es mittlerweile bei Wolfsrissen üblich ist, gibt es leider noch nicht. Aktuell liegt die Beweislast einzig und alleine beim Geschädigten. Da der Fischotter sehr heimlich und größtenteils nachtaktiv ist, hat man kaum Möglichkeiten die Schäden vor dem Abfischen zu quantifizieren. Erschwerend kommt hinzu, dass die Risse oftmals noch in der gleichen Nacht vom Fuchs oder dem sich mittlerweile immer stärker ausbreitendem Schwarzwild verschleppt oder gefressen werden.

 

Schutzmöglichkeiten der Fischteiche gibt es zwar auch, allerdings sind diese oftmals einfach nicht wirtschaftlich und teils auch nicht 100% effektiv. Als verhältnismäßig sicher gelten Zäune, diese müssen allerdings in den Boden eingegraben werden und eine gewisse Höhe haben, damit der Otter sie nicht überwinden kann. Hier rechnet man mit ca. 100€/m². Das ist für Nebenerwerbsfischzüchter ebenso unrentabel wie für Vollerwerbsfischzüchter bei denen Teiche oftmals mehrere Hektar Größe haben.

Elektrozäune sind zwar deutlich günstiger aber bei weitem nicht so effektiv. Das Fell des Fischotters hat pro cm² 50.000 Haare (zum Vergleich, ein Mensch hat je nach ethnischer Herkunft, Alter und Haarfarbe zwischen ~ 170 und 226 Haare pro cm²) und isoliert somit auch recht gut gegen Strom. Ein Bekannter von mir hatte mir vor einiger Zeit ein entsprechendes Video aus einer Fotofalle in der Oberpfalz zugespielt. Darauf ist zu sehen wie der Fischotter zuerst etwas zögert und versucht eine Schwachstelle in dem Elektrozaun auszumachen. Als ihm dies aber nicht gelingt, flitzt er einfach darunter hindurch.

Betroffene Anglervereine bemerken das Vorhandensein des Fischotters in der Regel erst recht spät, z.B. über die Auswertung der Fangbücher oder Beschwerden der Mitglieder wegen nachlassender Fangzahlen. Die Ursache hierfür muss aber nicht zwingend der Otter sein, dementsprechend ist es nicht immer sofort klar, ob es für den Fangrückgang nicht auch andere Gründe gibt.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Bestandsentwicklung und der Schutz des Fischotters sich nicht zu so einem ähnlichen Desaster entwickelt wie es zum Beispiel beim Kormoran mittlerweile der Fall ist. Zwar ist der Abschuss des Kormorans per Verordnung  mittlerweile zeitweise erlaubt aber bis dahin war es ein langer und steiniger Weg den die anderen anerkannten Naturschutzverbände durch Klagen künstlich in die Länge gezogen haben. So kommt man als Angler oftmals zu der Überzeugung, dass der Natur- und Artenschutz an der Wasseroberfläche endet.

Fazit: Die Rückkehr des Fischotters ist ein gutes Beispiel, dass der Naturschutz auch im 21. Jahrhundert Früchte trägt. Die Steigerung der Biodiversität sollte allen aktiven Naturschützern ein Anliegen sein, auch wenn die Beweggründe hierfür oftmals unterschiedlicher Natur sind. Allerdings gilt es wie beim Beispiel Wolf und Kormoran auch beim Fischotter zu bedenken, dass sich diese Tiere in der vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaft teils überproportional vermehren und es keinen bzw. kaum Fraßdruck seitens anderer Beutegreifer gibt, die regulativ auf die steigenden Bestände einwirken würden. Ein Gleichgewicht wird sich hier auf natürliche Weise nur sehr langsam einstellen und Kompromisse erfordern, die der Mensch nicht immer bereit ist einzugehen.

Fischotter richtet 6-stelligen Schaden an

So possierlich er auch aussehen mag, er ist ein Raubtier – ein fischfressendes Raubtier das seinem Instinkt folgt. Was die Teichwirte hierzulande bereits seit einigen Jahren schmerzlich erfahren dürfen, ist einem Hotel in England dieser Tage auch schmerzhaft bewusst geworden. Ein Otter drang in den hoteleigenen Teich ein und tötete seelenruhig einige der wertvollen Koi Karpfen. Die angebrachten Sicherheitsmaßnahmen (Elektrozaun) schienen den Räuber in keinster Weise zu stören. Wieso auch, bei dem dichten Fell kommt kaum Strom durch. Diese Tatsache hat sich anscheinend nur noch nicht bis nach Deutschland herum gesprochen oder wieso wird Teichwirten nach wie vor empfohlen ihr Eigentum mit nutzlosen Elektrozäunen zu schützen? Den Bericht inkl. Video findet ihr hier.

Verhaltensänderung bei Fischen wegen Fraßdruck durch Kormoran

Der Eine oder Andere hat die Diskussion um den Kormoran und seinen Einfluss auf die Fisch / Fischerei in den letzten Jahren mehr oder weniger aktiv verfolgt. Mittlerweile ist es Mancherorts schon soweit gekommen, dass die Fische ihr Verhalten derart ändern, dass sie die Nähe des Menschen suchen um vermeindlichen Schutz vor dem Kormoran zu haben. Das funktioniert zwar anfangs, allerdings wird früher oder später auch der Kormoran seine Scheu vor dem Menschen verlieren (sofern er nicht bejagdt wird) und damit steigt dann auch wieder der Predationsdruck auf unser Flossenwild. Einen interessanten Artikel dazu findet ihr hier.

Hechte unter Wasser

Schöner Hecht im Flachwasser

Endlich ist es wieder soweit, die Tage werden länger und die Sonne gewinnt immer mehr an Kraft. Dies hat zur Folge, dass sich auch die flachen Bereiche der Gewässer langsam aber stetig erwärmen. Das wiederum zieht die weißfische magisch an, sie finden dort Nahrung, Deckung und beginnen alsbald mit dem Laichgeschäft. Dies wiederum hat zur Folge, dass sich auch die Hechte in unmittelbarer Nähe in den Flachwasserzonen einfinden. Einerseits weil sie selbst ablaichen wollen, andererseits weil dort aktuell ihre Nahrung ist. Es ist wirklich erstaunlich in wie flachen Wasser Hechte jenseits der Metermarke jetzt zu sehen sind. Erfahrungsgemäß sind die Hechte bis Ende des Laichgeschäfts bzw. bis Anfang – Mitte Juni im flacheren Uferbereich zu finden. Danach ziehen sie sich wieder in tiefere Gefilde zurück. Dies geht allerdings nicht schlagartig sondern erfolgt etappenweise. Ab Mitte Juni sind die Hechte oftmals noch an den Kanten zu finden bevor sie sich endgültig bis zum Herbst hinein ins tiefere Wasser zurückziehen.

Schöner Hecht im Flachwasser

Sterlets

In den letzten Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten ist der Bestand der Störartigen stark zurück gegangen. Die Ursachen hierfür sind mannigfaltig. Gewässerverbauung, Überfischung, Umweltverschmutzung usw. sind unter anderem daran Schuld. Umso erfreulicher ist es, dass es in Bayern mittlerweile Ansiedlungs- bzw. Auswilderungsprojekte für Sterlets gibt.

Der Winter ist da…oder doch nicht?

Verglichen mit vor 20 oder 30 Jahren sind unsere Winter deutlich milder geworden. Wenn ich an meine Kindheit in den 80gern und 90gern denke und mit den heutigen Wintern vergleiche, kann ich aus eigener Erfahrung den Klimawandel bestätigen.

Winterpanorama, noch liegt kein Eis aber es kann nicht mehr lange dauern…

Damals gab es oftmals schon im November Schnee in den tieferen Lagen und dieser hielt sich teilweise bis Ende Februar oder sogar bis in den März hinein. In Erinnerung ist mir der eine oder andere Saisonstart auf Bachforelle am 1. März geblieben als man sich noch mit langer Unterhose und Schal in Richtung Bach kämpfen musste. Die Zeiten sind aber mittlerweile schon lange vorbei. Ab und an sucht uns der Winter noch heim und überrascht den einen oder anderen. Auch die Tierwelt unterliegt dem Klimawandel. Besonders auffällig ist dies bei den Zugvögeln. Früher zogen z.B. die Bachstelzen geschlossen gen Süden, ebenso die Rotmilane.

See im Winter

Heute ist zu beobachten, dass immer mehr der Vögel auf die beschwerliche Reise verzichten und einfach hier bleiben. Sicherlich, wenn man sich die anstrengende Reise spart, setzt man sich weniger Stress und Gefahren aus und ist in der Lage sehr zeitnah die besten Brutgebiete und Nester zu besetzen. Aber was passiert wenn es dann doch mal zu einem etwas strengeren Winter kommt? Im schlimmsten Fall rafft es dann einen Großteil der Population dahin. Aber die Vögel dann aber in den kommenden Jahren ihren Zug gen Süden wieder aufnehmen bleibt abzuwarten.

Dieses Jahr konnte ich trotz Frost und Schnee am Wasser relativ wenige Opfer der Kälte finden. Eines davon war ein Blässhuhn, also eine ohnehin recht reichlich vertretene Art.

Totes Blässhuhn

Erste Frostopfer – Ein toter Steinmarder und die eine oder andere Frage

Als ich neulich mein Fotoarchiv auf der Suche nach passenden Unterwasseraufnahmen durchging, stolperte ich über das Foto eines toten und steif gefrorenen Steinmarders. An und für sich nichts ungewöhnliches, wenn sich seit jenen Tagen, an denen die Aufnahme entstand mein Wissen bezüglich des einheimischen Haarraubwilds nicht doch etwas erweitert hätte.

Ich erinnere mich noch recht genau an die Worte unseres Referenten für Haarwild während der Jägerausbildung. Der Baum- und der Steinmarder haben kaum bzw. keine überschneidenden Lebensräume da der Baummarder ein Kulturflüchter ist, während der Steinmarder eher ein Kulturfolger ist. Den Steinmarder findet man immer in der Nähe menschlicher Behausungen, Wälder liegen ihm nicht. Der Baummarder hingegen meidet den Menschen, sein Lebensraum sind Wälder, ne natürlicher und weiter vom Menschen entfernt, desto besser.

Toter Steinmarder

So weit so gut. Das Foto entstand damals während einer Beizjagd in einem von Kiefern dominierten Mischwald weit ab von menschlichen Siedlungen oder Gehöften. Geht man nach der Lehrmeinung (Heintges) hätte es diesen toten Marder an dieser Stelle eigentlich nicht geben dürfen. Was lernen wir daraus? Theorie ist schön, Praxis ist besser.

Artenschutz auf Abwegen

Das Thema Artenschutz geht uns alle etwas an, besonders jene die von und mit der Natur leben. Gemeint sind hier vor allem Jäger und Angler. Einen interessanten Beitrag zu dem Thema habe ich kürzlich auf Servus TV gefunden. Hier wird auf die gängigen „Übeltäter“ wie Fischotter, Kormoran, Wolf & Co eingegangen. Die Sendung findet ihr hier.

Signalkrebsfang

Signalkrebse

Vor einigen Jahren hatte mein Angelverein in seiner Vereinszeitschrift mal einen Artikel zum Thema Signalkrebs veröffentlicht. Eigentlich in heutiger Zeit nichts wirklich Besonderes wenn man bedenkt, dass dieser Neozon quasi mittlerweile deutschlandweit vertreten oder auf dem Vormarsch ist. Sehr zum Leidwesen der einheimischen Edel- und Steinkrebse. Im Gegensatz zu diesen ist der Signalkrebs nämlich gegen die von ihm übertragene Krebspest, ein Pilz, immun. Das erinnert so ein bisschen an die mit Pockenerregern verseuchten Decken die man den amerikanischen Ureinwohnern „freundlicherweise“ überlassen hat um ihre Anzahl drastisch zu reduzieren – auch nicht gerade die feine Art. Aber zurück zu den Krebsen. Theoretisch erfüllen Krebse in den meisten Ökosystemen einen wichtigen Part, sie fressen Aas, Pflanzen, Schnecken, Fischen aber auch Laich. Allerdings stehen alle Krustentiere auch auf dem Speiseplan von Räubern wie z.B. Hecht, Barsch, Zander, Aal, Wels, Karpfen und Fischotter. Dies dürfte wohl auch einer der Gründe sein, wieso die gepanzerten Gesellen mehr in der Dämmerung und nachts aktiv sind. Vor allem wenn Aale im Gewässer sind, geht es den Krebsen an den Panzer. Insbesondere dann, wenn sich die Krebse frisch gehäutet haben und einen noch weichen Panzer tragen. In dem Forellengewässer welches ich seit einigen Jahren befische gibt es „leider“ keine Aale. Einheimische Krebse gab es früher, mittlerweile sind sie gänzlich von der Bildfläche verschwunden…dafür haben wir nun seit vielen Jahren einen massivem Signalkrebsbestand.

Signalkrebs

Diese Krustentiere mit Migrationshintergrund sind quasi über die gesamte Flusstrecke verteilt. Legt man Abends einen Köder ins Wasser, so dauert es meist weniger als 4 Minuten bis das erste Krustentiere im halsbrecherischen Tempo über die Steine fetzt nur um als erstes am Köder zu sein. Der Geruchssinn der kleinen Kneifer ist wirklich mehr als erstaunlich. Auch ihre Sehfähigkeit ist besser als man meinen würde. Tagsüber sind die Krebse wirklich extrem vorsichtig. Beginnt aber die Dämmerung oder der Himmel ist bewölkt usw. lässt ihre Vorsichtigkeit und vermutlich auch ihr Sehvermögen deutlich nach. Im Herbst ist die Hauptaktivität der Krebse zwischen 17:30 und 21 Uhr. Danach ließen die Fänge deutlich nach – zumindest in meinem Hausgewässer. Als besonders erfolgreich hat sich die aktive Fischerei auf Signalkrebse bewährt. Das Auslegen von Reusen hingegen brachte kaum gute Ergebnisse da in der Erlaubniskarte steht, dass man die Fanggeräte nicht unbeaufsichtigt lassen darf. Das heißt man muss immer neben den Reusen stehen…da die Krebse allerdings nicht unbedingt die hellsten Lichter im Hafen sind, dauert es mehrere Stunden bis mal einer der Gepanzerten den Eingang zur Reuse gefunden hat. Dementsprechend mau ist die Ausbeute. Allerdings funktionieren Krebsteller recht gut – vorausgesetzt man hat einen ebenerdigen Platz gefunden an dem man sie ablegen kann. Am meisten Spaß macht jedoch die aktive Fischerei indem man die Krebse mittels Ködern anlockt und abkeschert. Etwas Übung gehört dazu, gerade am Anfang verliert man das eine oder andere Exemplar. Dennoch kann man bei entsprechender Krebsdichte schön Strecken erreichen. 50 Exemplare pro Abend sind eher die Regel denn die Ausnahme.