Fischen im Herbst

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Die Tage werden langsam aber sicher kürzer, die Nächte länger und die Temperaturen…naja die werden kälter. Alles nichts Neues. Für den Angler eröffnen sich im Herbst farblich gesehen ganz neue Dimensionen. Die Natür fährt nochmal alles auf um uns den Abschied von der sonnigen Zeit zumindest optisch zu versüßen. Das hat allerdings auch seinen Preis…der Spinnangler der zum X-ten Mal Blätter von seinen Eisen rupft wird der Schönheit der Natur nicht so viel abgewinnen können, zumindest zeitweise.

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Vielerorts hat bereits die Bachforellenschonzeit begonnen und die Salmondigen stehen schon steil. Anders siehts bei den Regenbogenforellen aus. Die sind in vielen Gewässern noch offen und nehmen die von uns angebotenen Köder nach wie vor recht dankbar. Aber so einfach wie im Sommer ist die Fischerei auf Forellen jetzt auch nicht mehr. Die Fische sind vorsichtiger geworden. Ein zaghaftes Knabbern, ein schüchternes Stubsen des Köders….das alles kann man im klaren Wasser sehr gut beobachten. Aber letztendlich obsiegt doch die Gier und der Fisch greift zu. Gerade im Herbst sind die Regenbogenforellen meist zu zweit unterwegs, zumindest die kapitalen Exemplare. Wer also eine gute am Band hat, sollte nicht gleich die Stelle wechseln.

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City fishing

City fishing, Street fishing, Fischen in der Großstadt. Es gibt viele Bezeichnungen für ein und dieselbe Sache. Aber was reizt die Menschen denn in einer großen Stadt wie Berlin, München oder Köln quasi in der Innenstadt fischen zu gehen? Die frische Luft kann’s ja wohl nicht sein….Vielleicht der gute Fischbestand? Wohl eher auch nicht.

Der Freizeithunger der gestressten Städter ist vor allem im Sommer relativ hoch. Wenn man dann noch Angler ist, hat man zwei Möglichkeiten. Entweder man setzt sich hinters Steuer und fährt meist nicht gerade kurze Strecken um an einem natürlichen Gewässer seine Fische zu fangen und etwas Erholung zu finden. Aber die Fahrerei geht natürlich auch ins Geld und stresst auch irgendwie. Zum anderen kann man einfach aus seiner Lage das Beste machen und direkt am nächstbesten Gewässer in der Innenstadt fischen.

 

Um es vorweg zu nehmen, der Fischbestand in den Städten ist dank dem Engagement der Fischereivereine meist gar nicht mal so übel.

Kann man dann auch noch die Leute um einen herum ausblenden und die Stadtkulisse, so findet man doch kurzweilig Ruhe und Entspannung – zumindest in der Theorie.

Neben der Optik unserer Umgebung spielen die Mitmenschen auch eine nicht zu unterschätzende Rolle beim City fishing. Die Reaktionen meiner hochgeschätzten (haha…) Mitmenschen geht von aufrichtigem Interesse und Fraternisierung bis hin zu unverhohlenem Hass. So kann es durchaus vorkommen, dass man regelmäßig angepöbelt wird, einem Steine und Bierflaschen um die Ohren fliegen und man auch sonst nicht sonderlich viel Sympathie entgegen gebracht bekommt.

Klar, als Angler in einer Großstadt polarisiert man natürlich zu einem gewissen Teil.

Steht man als Angler doch irgendwie noch in der archaischen Spalte des Jäger und Sammlers und wird oft als primitiver, potentieller Gewalttäter eingestuft. Glücklicherweise schützt uns der Staat hier in gewisser Weise. Althergebrachte Tätigkeiten wie die Jagd und Fischerei fallen unter Brauchtumspflege und sind damit in gewisser Weise immun gegenüber rechtlichen Belangen durch die Tierschützer und andere Diffamierer .

Der moderne Schlippsträger der sein Essen vorgekauft beim Fast-Food Dealer um die Ecke kauft wird das nicht verstehen wollen.

 

Auch die Intoleranz der Zweibeiner die sich munter durch unsere heimische Flora futtern und insgeheim mehr mit den Tieren sympathisieren als mit den Menschen macht es uns nicht leichter unserer Beschäftigung nachzugehen. Natürlich fällt das in gewisser Weise unter die Meinungsfreiheit aber auch hier gibt es Grenzen.

Viel zu oft wird einfach mal gefährliches Halbwissen in Worte gefasst und dann ohne groß zu überlegen lautstark kund getan.

Ja, sicherlich, es ist für den Fisch nicht besonders angenehm mit einem Haken gepierct zu werden und dann den Stress des Drills über sich ergehen zu lassen aber es ist auch sicherlich unangenehmer in einem Treibnetz elendig zu verrecken oder in einer Zuchtanlage mit fettigem Mastfutter und Antibiotika vollgestopft zu werden. Der waidgerechte Angler wird keinem Tier länger als nötig Stress oder Schmerzen zumuten, da können sich die Tierschützer sicher sein. Natürlich gibt es auch hier, wie überall schwarze Schafe. Das ist dann aber wieder ein anderes Thema.

 

Auch in der Wissenschaft gibt es zu der Thematik zwei Meinungen. Die eine Fraktion sagt, dass Fische keinen Schmerz sondern nur Stress empfinden können weil ihnen eine bestimmte Region im Hirn fehlt die zum Beispiel bei Säugetieren vorhanden ist. Ich für meinen Teil fühle mich besser mit der ersten Theorie. Zwar glaube ich nicht, dass ich die Fischerei aufgeben würde (dafür ist sie schon zu sehr ein essentieller Bestandteil meines Lebens), wenn 100% erwiesen würde, dass Fische Schmerz empfinden könnten, aber es würde doch ein fahler Nachgeschmack bei der Ausübung meiner Passion bleiben.

Wenn ein Veganer oder Vegetarier meckert, dass man die Fische in Ruhe lassen soll, kann man das noch nachvollziehen aber die Hobbytierschützer die erstmal lautstark schimpfen und mit dem Finger auf einen zeigen um ihn anschließend mit abgedroschenen Hasstiraden und verbalen Schmähungen zu überschütten, nur um anschließend befriedigt nach Hause zu gehen und sich ein fettes saftiges Kotelett vom Penny Markt reinzuziehen, nun die kann man getrost als scheinheilig bezeichnen.

 

Auch die Leute die an Charma glauben und es nicht gut heißen, ein anderes Lebewesen zu töten, sind von ihrem Standpunkt aus durchaus im Recht. Aber wir haben in diesem Land Religionsfreiheit und schon in der Bibel steht „Macht Euch die Erde untertan“ (Genesis 1, 28), was jetzt nicht heißt alles abzuklöppeln oder zu versklaven. Auch hier gilt für alle Beteiligten Maß halten.

Das nächste Problem, abgesehen von garstigen Tierschutzaktivisten, sind die anderen Erholungssuchenden und weitere Wassersportler.

Es macht wenig Sinn am Wochenende bei 34°C an einem Stadtfluss mit Watstiefeln und Rute entlang zu tingeln.

Die meisten Strände und Uferregionen werden zu dieser Zeit von Badegästen okkupiert sein. Die sehen das auch nicht so gerne wenn jemand scharfe Haken durch deren Baderevier zieht. Gleiches gilt für Kajakfahrer und Taucher. Auch hier muss man Kompromisse treffen. Eine gute Lösung ist hier einfach ganz früh zum Fischen zu gehen. Das deckt sich in den meisten Fällen auch mit den natürlichen Biorhythmus der Fische.

In der Früh sind die Flossenträger meist noch argloser und nicht so vorsichtig wie in der Mittagszeit wenn schon dutzende Paare an Käsefüßen und erschlafften Brüsten an ihnen vorbeigezogen sind…

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Und auch die Angler selber sind in der Pflicht ihren Ruf und ihr eventuell vorhandenes Ansehen bei der übrigen Bevölkerung nicht zu verspielen.

Keiner, weder andere Anglerkollegen noch andere Erholungssuchende freuen sich, wenn am Wasser plötzlich eine wahre Zeltstadt steht, mit Grillfeuer und einer ganzen Batterie an Ruten die über den halben See gespannt sind.

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Ebenso wenig tragen zurückgelassene Bierflaschen, Maden- und Würmerdosen sowie Schnurreste und Fischeingeweide dazu bei, unser Ansehen bei unseren Mitmenschen zu steigern. Ebenfalls bedenklich sind Kollegen die Volltrunken in Tarnklamotten am Wasser sitzen und so lautstark marodieren, dass die Eltern plötzlich seeehr genau auf ihre Kinder achten, nicht dass der böse Onkel in Tarnklamotten plötzlich dem Nachwuchs zu nahe kommt…

Erstaunlicherweise ist die Akzeptanz gegenüber den Anglern im Norden erfahrungsgemäß höher als im Süden. Das liegt vermutlich am Wetter, die kühle Temperatur im Norden kühlt die Gemüter freilich besser ab als im warmen Süden. Hier sind die Leute deutlich hitziger und leider oftmals auch aggressiver.

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Oft hilft es einfach mal sein Hirn anzuschalten und zu denken bevor man vom Sprachapparat Gebrauch macht oder einfach mal versuchen sich in die Lage der Anderen hinein zu versetzen…

Interessanterweise scheinen sich einige Fischarten auch in der Stadt von Natur aus wohl zu fühlen. Schaut man beim sonntäglichen Spaziergang mal von einer Brücke oder am Ufer eines Teichs so wird man oft genug den einen oder anderen Kulturflüchter erkennen. Besonders Döbel, Karpfen und viele andere Weißfische fühlen sich anscheinend in der unmittelbaren Nähe des Menschen wohl. Auch bietet die Stadt, ähnlich wie bei den Menschen, den Fischen viele neue Versteckmöglichkeiten sowie ein ungewöhnlich abwechslungsreiches Nahrungsprogramm. So kann es sein, dass man unterhalb einer Schlachterei die ab und an mal ein paar ihrer Abfälle „zufällig“ in den Fluss entsorgt abartig kapitale Exemplare fangen kann.

Weniger schön ist es, wenn die anliegenden Industrieanlagen das gleiche mit ihren Abwässern machen. Leider kommt das häufiger vor als uns lieb sein kann.

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Forelle klassisch?

NewsWer kennt sie nicht, die ach so edlen gestalten die im frühen Morgenlicht am örtlichen Flüsschen elegant und voller Grazie die Fliegenrute schwingen. Die Helden aus alter Zeit, die Fischer die den Ethos der Vergangenheit hochhalten, die Helden des Fischwasser…oder so so ähnlich sehen sich diese Leute gerne. Andere würden sie wohl als ewig Gestrige, Retro oder Angelspießer mit zu hohem Einkommen beschreiben. Fakt ist jedoch, dass das Fliegenfischen immer populärer wird. Viele junge Fischer, oft auch aus den Hipster Kreisen, finden es stylisch am Wasser mit der Fliege zu wedeln. Da wird dann jeder „Auftritt“ am Wasser peinlich genau durchgestylt und choreographiert. Sicherlich, ein echtes Schauspiel für alle Anwesenden.

Grundsätzlich ist es natürlich sinnvoll an einem Forellengewässer bestimmte Regulierungen durchzusetzen bzw. einzuführen. Wurmverbot, kein Tiroler Hölzl usw. sind vernünftig, auch Entnahmebeschränkungen und erhöhte Schonmaße sind sinnvoll aber „Fly only“ einführen? Hat alles seine Vor- und Nachteile.

Gerade gegen Ende der Saison wenn die Forellen schon fast alles gesehen haben was die örtliche Angelhändler im Repertoire hat, macht es durchaus Sinn auf die Fliege umzusteigen. Wer möchte kann auch gerne mit Tweet und Anzug in seine Watschlappen steigen oder mit Vollbart und Ray Ban Sonnenbrille seiner Leidenschaft fröhnen, mehr fangen wird er dadurch nicht. Fliegenfischen ist eine puristische Art der Fischerei, Rute, Rolle, Fliege – AUS. Unverständlich wieso manchen sich von einem Pseudodresscode leiten lassen. Klar, Kleider machen Leute aber die Forellen interessiert das einen feuchten Algenschiss. Funktionell, ja gerne, stylisch, elegant und übertrieben – lieber nicht.

Ich für meinen Teil schwinge sowohl die Fliege als auch die Spinnrute – allerdings unterscheidet sich meine Aufmachung bei den beiden Arten der Fischerei optisch nicht. Lediglich die Ausrüstungsgegenstände variieren etwas.

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Abgeschleppt…

NewsWas einige Leute mehrmals monatlich in den örtlichen Tanzschuppen praktizieren, vollführt der Bootsangler meist regelmäßig an seinem Gewässer. Richtig, das (Ab)Schleppen. Schleppfischen ist eine teilweise schweißtreibende aber gerade bei größeren Geässern erfolgsverpsrechende Methode die Zielfische zu finden und auch zu fangen. Allerdings gibt es immer auch noch andere Faktoren zu beachten. Wetterlage, Luftdruck usw. sind Dinge die man auf keinen Fall ausser Acht lassen sollte. Jeder der schon einmal in ein Gewitter  auf dem See geraten ist, weiß was ich meine.

Ein Echolot bietet, wo erlaubt, eine zusätzliche Hilfe auf dem Wasser. Hat man mit dem Gerät erstmal eine Kante gefunden, lohnt es sich meist diese entlang zu schleppen. Auch eine permanente Wetterlage, egal ob gutes oder schlechtes Wetter, wirken sich oft positiv auf das Beißverhalten der Fische aus.