Restauration eines Kraller A42 Ruderboots

Ruderboot Kraller A42

Nachdem mein Ringmaier Boot mittlerweile für 2 Leute etwas zu klein geworden ist, musste ein neuer fahrbarer Untersatz her. Nach einigem Hin und Her fiel die Wahl auf ein Kraller A42 welches ich für gute 1000€ in einem sehr guten Zustand bei ebay Kleinanzeigen erwerben konnte- allerdings ohne Ruder und mit der einen oder anderen Macke im Einlegeboden (bei Kauf unbrauchbar…) und der Außenhaut. Was ich zum damaligen Zeitpunkt, sprich Mitte 2020, noch nicht wusste: Die Außenhaut bei den Krallerbooten besteht aus GelCoat. Das bedeutet, dass man das relativ einfach (nach einem entsprechenden Anrauen) mit 2K Lack überstreichen kann. Ich bin zum damaligen Zeitpunkt aber davon ausgegangen, dass es sich hierbei um einen 1K Außenlack handelt und habe in geistiger Umnachtung die komplette Außenhaut des Boots mehr oder weniger sauber abgeschliffen. Eine echte Drecksarbeit bei der man seiner Gesundheit auch wirlich keinen Gefallen tut. Mal abgesehen davon, dass hierbei in meinem Fall auch die Anschaffung eines guten Exzenter Schleifers sowie mittelpreisigen Schleifmittelscheiben anstand. An dieser Stelle sei gesagt, dass es keinen Sinn macht sich billige Schleifscheiben von Aliexpress oder von Amazon für 10€ pro 50 Stück zu holen. Diese halten nicht auf dem Schleifteller und sind nach 4 Minuten nicht mehr anhaftend. Auch der Abtrag ist minimal. Finger weg, spart euch das Geld und holt euch lieber hochwertigte Schleifmittel im Baumarkt für einen Stückpreis von ca. 1€ pro Scheibe.
Da der GelCoat gerade im Bodenbereich des Boots extrem dick ist, lohnt es sich hier mit 40ger Körnung zu beginnen. Ansonsten schleift ihr euch einen Wolf. Ich für meinen Teil habe für das 420cm lange Boot (mit 1 Tag mit Billigschleifmitteln…) ca. 3-4 Tage für das Abschleifen innen und außen gebraucht. Allerdings habe ich zum Schluss auch einige der Außenbereiche mit GelCoat belassen. Eine Unverträglichkeit mit dem bald zu applizierenden 2K Lack steht hier nicht zu befürchten. Hätte ich das alles vorher gewusste, hätte ich den GelCoat einfach nur angeraut, einige Stellen etwas gespachtelt und dann einfach nur mit 2K Lack über die Außenhaut gepinselt bzw. gerollert. Das wäre günstiger, gesunder und effektiver gewesen. Aber nein, ich musste mich ja von den Beiträgen irgendwelcher Amateuerbootsrestaurier in diversen Angelforen blenden lassen. Eine komplette Außenrestauration inkl. GelCoat-Entfernung macht nur Sinn wenn:

  • Die Außenhaut extrem ramponiert und an vielen Stellen bereits die Glasfasermatten sichtbar sind
  • Man einen großen Garten oder eine Scheune / Garage mit Stromanschluss hat, in der man das Boot restaurieren kann
  • Man an akuter Langeweile leidet und als Mann in der Midlife Crisis ist

Ansonsten empfehle ich jedem wirklich den GelCoat außen am Boot zu belassen. Weiterhin kann ich folgende weitere Tipps geben:

  • Lackiert nur an der frischen Luft und setzt immer nur kleinere Mengen des 2K Lacks an
  • Lackiert den Boden des Boots außen mit mind. 3-5 Schichten, die Seitenwände mit 2-3 Schichten und den Innenraum mit 2 Schichten
  • Achtet auf eure PSA (nein liebe Mediziner, hier ist nicht das Prostataspezifische Antigen gemeint sondern die „Persönliche SchutzAusrüstung“). Atemschutz/Partikelfiltermaske und dicke Arbeitshandschuhe sind Pflicht
  • Achtet beim Anrühren des Lacks auf eine entsprechende Temperatur und eine gewisse Vernetzungsdauer. Benutzt am besten einen Rührer. Die Holzspatel gehen zwar auch aber mit einem Rührer gepaart mit einem Akkuschrauber geht die Sache deutlich schneller voran.

    Schleifen mit dem Exzenter Schleifer

Wenn ihr das Boot irgendwann mal ggf. weiter verkaufen wollt, solltet ihr nicht zu viel an Customizing betreiben. Besonders das Aufschneiden des vorderen und hinteren Auftriebselements ist nicht Jedermanns Sache. Natürlich erhält man dadurch noch mal ordentlich Stauraum dazu, allerdings geht das in gewisser Weise auch auf die Sicherheit des Bootes. Ich für meinen Teil habe absichtlich darauf verzichtet.

Die Arbeit geht selbst mit gutem Schleifmittel nur sehr langsam und mühsam voran.

Wenn das Abschleifen vorrüber ist, seid ihr den letzten 6 Brettern ein gutes Stück näher gekommen, habt vermutlich graue Haare und fragt euch sicherlich permanent ob es das wirklich wert ist? Nun, ich kann euch beruhigen. In den meisten Fällen ist es das definitv nicht. In meinem Fall wäre es absolut nicht notwendig gewesen das Boot zu schleifen. Anrauen und drüber lackieren wäre hier die bessere Wahl gewesen. Aber nun, nachher ist man immer klüger – sofern man das Ganze überlebt.

Hier mal ein Bild des größtenteils angeschliffenem Boots außen. Echt eine Scheißarbeit.

Der nächste Schritt ist das Applizieren des Lackes. Wie oben bereits erwähnt sollte man hier nicht geizen. Nehmt euch ordentlichen 2K Lack auch wenn der etwas mehr Geld kostet. 1K Lack hält nicht annähernd so lange und ihr wollt die Prozedur ja nicht alle 4 Jahre wiederholen. Eure Gesundheit wird es euch danken.

Zwischen dem Abschleifen des Bootes und dem eigentlichen Lackieren lagen knapp 10 Monate. Dies lag einerseits am Zeitmangel und andererseits an einer passenden Location. Das Abschleifen konnte ich bei einem Freund im Garten machen (Danke Johnny), die Lackiererei fand im Frühsommer 2021 dann im Wintergarten eines baufälligen Hauses ohne Strom und Wasseranschluss statt.

Bevor die erste Schicht Lack aufgetragen werden konnte, musste die Oberfläche des Bootes erstmal entfettet werden. Hierfür habe ich handelsüblichen Spiritus verwendet und anschließend mit einem groben Tuch nachgewischt. Zusätzlich wurden von mir noch einige Glasfasermatten im Inneren des Bootes verlegt. Grund dafür ist der aus meiner Sicht recht dünne Boden des Kraller Bootes. Zum Einsatz kamen recht grobe Glasfasermatten die eine entsprechende Stabilität aufweisen. Als Tränkungsmedium kam wiederum 2k Epoxy Harz zum Einsatz.

Nachdem die Matten einlaminiert waren, wurde der Innenraum mit 2K Grundierung von Yachtcare in Weiß gestrichen. Die erste Schicht deckt noch nicht wirklich, man sieht noch den Grund durch. Erst mit der zweiten Schicht erhält man einen schönen, deckenden und kräftigen Weiß-Anstrich. Bevor die Umrandung des Bootes ebenfalls in Weiß gestrichen werden kann, sind kleinere Spachtelarbeiten fällig. Hierfür habe ich ebenfalls normales Epoxy Harz angerührt und mit Microspheres versetzt, bis eine klebrige Pampe dabei heraus kam. Diese Gemisch streicht man dann auf entsprechende Kratzer, Löcher oder sonstige Macken. Nach ca. 24h ist das Zeug trocken. Nun muss man die gespachtelten Stellen so an- bzw. abschleifen, dass diese plan sind. Ist dies erledigt, kann man mit der Lackierung beginnen. In meinem Fall musste ich sowohl außen als auch an der Umrandung einiges Spachteln. Grund dafür war, dass ich den GelCoat auf der Aussenseite des Bootes fast komplett entfernt hatte. Hier zeigte sich, dass die darunter liegenden GFK Matten viele „Augen“ und Senkungen hatten. Das Ganze sah aus wie die picklige Haut eines Teenager – nur halt mit Senkungen und Löchern. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass hier ein Überlackieren der Fläche nichts bringt. Die Senkungen und Löcher laufen leider nicht voll mit Lack und schließen sich nicht selbstständig. Hier muss man spachteln – oder ein hässliches Ergebnis in kauf nehmen.

Zum Thema Lackieren: Ein Anstrich mit dem Pinsel kann ich nicht empfehlen. Ich hab dies auf der Innenseite des Bootes an einer ca. 50x50cm großen Fläche probiert…schaut nicht gut aus. Da ich so etwas bereits vermutet habe, hatte ich mir im Vorfeld bereits ein paar Schaumstoff und Filzrollen besorgt. Folgende Aussagen lassen sich hierzu treffen: Schaumstoffrollen tragen eine dickere Schicht Lack auf als Filzrollen. Allerdings zerlegen sich Schaustoffrollen bei lösungsmittelhaltigen Lacken sehr schnell und zerbröseln dann. Diese Brösel habt ihr dann in der Lackschicht. Das schaut bescheiden aus. Filzrollen sind robuster, tragen aber nur eine geringe Menge an Lack auf. Zudem bröseln und fusseln auch diese Rollen nach einiger Zeit. Auch hier sollte man eine Pinzette bei der Hand haben, mit der man ggf. anfallende Rollenfragmente aus dem Lack zupfen kann. Setzt nicht zu viel Lack an. 2K Lack hat die Angewohnheit recht schnell zu verhitzen wenn man zu große Mengen anmischt. Ihr habt je nach Aussentemperatur ein zeitliches Fenster von ca. 20-40 Minuten in der der Lack halbwegs streich- bzw. rollbar ist. Bei lösungsmittelhaltigen Lacken solltet ihr wirklich eine gute Gasmaske mit passenden Filtern verwenden. Normale FFP Masken bringen hier gar nichts. Ihr springt ja auch nicht in ein Säurefass und sagt: Mir kann nichts passieren, ich hab ne Badehose an….

Auch solltet ihr bei den Arbeiten Einmalhandschuhe tragen. Der Verschleiß ist enorm. In meinem Fall habe ich für die gesamten Lackarbeiten knapp 1,5 Schachteln Einmalhandschuhe aufgebraucht…. was für eine Materialschlacht. Was die Schaumstoff und Filzrollen betrifft: Ich habe mir 10 Filz- und 20 Schaumstoffrollen gekauft gehabt und diese auch fast komplett aufgebraucht. Beachtet bitte bei den unterschiedlichen Lacken auch die unterschiedliche Anmischung. Einige werden nach Volumenanteilen gemessen, andere nach Gewicht. Am einfachsten sind die Lacke, bei denen nach Gewicht angemischt wird. Alternativ könnt ihr auch Lacke nach Gewicht anmischen, die eigentlich nach Volumenanteilen gemischt werden sollten. Hierfür braucht ihr aber die spezifische Dichte von Lack und Härter. Mit der Formel:  „Dichte = Masse /  Volumen“ kann man so recht schnell ausrechnen wie viel Gewicht ihr einwiegen müsst. Dafür die Formel einfach umstellen in: „Dichte * Volumen = Masse“ und schon wisst ihr wie viel ihr einwiegen müsst. Kleiner Tipp am Rande. Die erste Schicht Lack die aufgetragen wird, sollte immer etwas mit einem passenden Verdünner verdünnt werden. Der Verdünner darf aber erst zugegeben werden, wenn die beiden Komponenten Lack und Härter bereits miteinander gewechselwirkt haben. Auch solltet ihr immer eine Flasche Spiritus in der Nähe haben um eure Kleidung von Lackspritzern zu reinigen.

Aber kommen wir nun zur Aussenseite des Bootes. Auch hier wurde erstmal die lösungsmittelhaltige Grundierung von Yachtcare aufgetragen. In Summe zwei Schichten. Nach dem Trocknen wurde die Oberfläche leicht angeschliffen und mit dem TopCoat Lack 3401 von SKresin weiter gearbeitet. Gefühlt lässt sich der lösungsmittelhaltige Lack von Yachtcare leichter verarbeiten und bringt mehr Schichtdicke. Allerdings stinkt er halt auch deutlich mehr.

Wichtig: Es gibt 2K Lacke auf Epoxy- und auf Polyesterbasis. Diese beiden Systeme sind untereinander nicht kompatibel. Entweder ihr verwendet durchgehend Epoxylack oder eben durchgehend Polyesterlack. Ich für meinen Teil wollte ein Boot haben, dass sich optisch ein bisschen von der breiten Masse meiner Mitangler absetzt. Hierfür habe ich die Aussenseite in Tarnfarben lackiert. Das lässt sich recht leicht umsetzen indem man die entsprechenden Stellen mit Malertape abklebt. Funktioniert halbwegs gut solange der Lack nicht zu flüssig ist, und unter das Tape läuft. Wenn ihr euch nicht

unterschiedliche Lackfarben kaufen wollt, könnt ihr mit Farbpigmenten arbeiten. In meinem Fall kamen Farbpigmente aus China zum Einsatz. Diese hatte ich mir bereits für den Angelrutenbau vor einigen Monaten gekauft und immer recht gute Ergebnisse damit erzielt. Einfach wie üblich die beiden Komponenten Lack und Härter mischen, kurz reagieren lassen und anschließend die Pigmente einstreuen und ordentlich vermischen – fertig.

Aufarbeiten des Einlegebodens: Bei meinem Boot war der Einlegeboden leider ziemlich beschädigt. Ich musste die Unterseite abschleifen und mehrfach neu laminieren. Auch hier kam das Epoxyharz in Kombination mit mehreren groben Glasfasermatten zum Einsatz. Auch die Oberseite des Einlegebodens wurde umdekoriert. Zuerst wurde eine normale Schicht Epoxy Harz (klar) aufgetragen. Anschließend wurden immer mal wieder ein paar Ansatzreste der Außenlackierung des Bootes aufgetragen, schließlich will man ja nichts verkommen lassen. Gerade bei der Grundschicht aus Epoxy habe ich noch etwas „Dreck“ in den frischen Lack gestreut nachdem ich ihn bereits appliziert hatte. Eigentlich sollte man das tunlichst vermeiden, zumindest bei der Aussenhaut des Bootes. Aber der Einlegenbogen ist bei nassem Wetter ziemlich rutschig und es ist mehr als einmal passiert, dass ein Angler über Bord ging oder sein Tackle zerstört hat, nur weil er auf dem glatten Boden ausgerutscht ist. Dies verhindert ein rauher Einlegeboden. Natürlich kann man das auch erreichen, indem man einen entsprechenden Bootsteppich verlegt oder Anti-Rutschmatten anbringt… aber ganz ehrlich, das kostet ne Menge Geld (besonders der Teppich…) und erhöht das Bootsgewicht. Dann doch lieber etwas Staub und ein paar kleine Dreckbrösel über die frische Lackschicht streuen und fertig. Natürlich solltet ihr am nächsten Tag zur Sicherheit noch eine weitere fixierende Schicht Lack aufbringen.

Auch die Befestigung des Einlegebodens wollte ich bei meinem Boot etwas professioneller gestalten als es ab Werk der Fall war. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, sind die im Bootsboden eingelassenen schwarzen Querstreben einerseits zur Stabilisierung des Bootskörpers als auch als Auflage für den Einlegeboden gedacht. Im Einlegeboden sind in regelmäßigen Abständen Löcher gebohrt, die zur Aufnahme von Schrauben dienen. Diese Schrauben fassen dann in in den schwarzen Plastik Querstreben. Eine recht pragmatische aber in meinen Augen nicht sonderlich „schöne“ Lösung. An meinem Boot waren Edelstahl Spax verbaut. Wenn man die Dinger 20 x raus und rein dreht, ist bald kein Futter mehr vorhanden indem die Schrauben greifen könnten. Folglich wurden in die Querstreben Edelstahl Gewindeeinsätze verklebt (für M6 Gewindeschrauben). Jetzt kann man problemlos die Schrauben jederzeit lösen und wieder anziehen, ohne dass die Gefahr von zu viel Abrieb besteht.

Trotz der Restauration des Bodens, wollte ich auf Nummer sicher gehen. Der Boden sollte sich bei Belastung nicht so stark biegen um einen möglichen Bruch zu verhindern. Stellt euch mal vor ihr werft gerade, verlagert euer Gewicht auf den Wurffuss und knack, der Einlegeboden des Bootes bricht unter diesem Fuss durch. Im besten Fall verliert ihr das Gleichgewicht und fallt blöd ins Boot, im schlimmsten Fall macht ihr die Ruten kaputt und fallt ins Wasser. Muss ja nicht sein. Dementsprechend wurde der Boden noch mit relativ harten Schaumstoffmatten (der Name ist mir entfallen aber dieses Material wird auch als Dämmstoff für Fassaden benutzt) ausgekleidet. Diese nehmen ordentlich Druck aus dem System bzw. stützen den Einlegeboden. Zusätzlich wurde noch aus einem alten Schwerlastregal ein Einlegeboden entnommen und mit einer Flex entsprechend zugeschnitten, so dass dieser zugeschnittene Einlegeboden perfekt zwischen Querstreben, Dämmmaterial und Einlegeboden passt. Hier sollte nun wahrlich nichts mehr brechen.

Nachdem das geschafft war, wurde der Einlegeboden eingeschraubt und siehe da – alles passt.

Danach wurde die Persenning in Angriff genommen. Hierfür kam eine dicke LKW Plane zum Einsatz. Diese verhindert zwar ein Eindringen von Wasser sehr zuverlässig, ist allerdings auch so dicht, dass im Inneren des Bootes ein ungesundes Mikroklima entsteht. Die hohe Luftfeuchte sorgt dafür, dass z.B. im Boot gelagerte Ruder anfangen zu gammeln, Schrauben und andere Metallelemente fangen an zu rosten usw. Das will man natürlich nicht.  Dementsprechend habe ich versucht, eine Art Belüftungssystem einzubauen – zusätzlich natürlich zu einem Abspannsystem für die Persenning. Das Abspannsystem besteht aus insgesamt zwei Böcken die aus jeweils zwei Brettern bestehen die mit einem Scharnier verbunden sind. Oben auf wurde noch ein kleines geschlitztes PVC Rohr wie es die Elektriker gerne bei Kabelverkleidungen benutzen, geschraubt. Zusätzlich wurde oben drüber noch ein halbes großes PVC Rohr geschraubt, damit sich die Plane nicht an dem Holz und den Ecken aufscheuern kann (sorry, vergessen Fotos davon zu machen…). Besonders kippstabil war diese Lösung zuerst nicht, erst als ich ein Seil vom Bug zum Heck gespannt habe (unter einbeziehung der beiden Böcke), erreichte die Konstruktion eine gute Stabilität.

Am wenigsten Zeit habe ich für die Persenning verwandt. Im Keller lag noch irgendwo eine Plane mit 7,5m x 2,5m Abmessungen herum. Diese wurde letztlich auf ca. 5,5 m eingekürzt. Die Breite ist meiner Meinung nach mehr als ausreichend, die Länge auch. Schließlich will ich genügend Puffer haben für den Fall des Falles wenn ich mir ein anderes Abspannsystem zulegen / basteln oder wenn ich mir ein größes Boot anschaffen sollte. Sicher ist sicher. Außerdem wollte ich den Slipwagen auf dem das Boot die meiste Zeit des Jahres steht, auch noch vor Wind und Wetter schützen.

Auf den Bildern seht ihr das Boot auf dem Slipwagen. Die Persenning ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgespannt, ansonsten würde sich  die Plane deutlich besser an den Bootskörper anschmiegen.

Fazit: Das ganze Projekt hat fast ein gesamtes Jahr gedauert. Würde man die Stunden bzw. die Arbeits- und Wartezeit zusammenrechnen, käme man vermutlich auf gute zwei Wochen. In dieser Zeit hat man auch viel Totzeit in der man warten muss, bis der Lack trocken ist. Theoretisch kann man pro Tag zwei Schichten Lack aufgeben (nass in nass). Morgens eine Schicht und Abends eine Schicht. Erschwerend kam bei mir aber halt noch dazu, dass der Einlegeboden mehrfach gebrochen war und einer intensiv-kreativ Behandlung bedurfte, die Ruder waren zu dünn um sie auf die übliche Kraller bzw. Ringmaier Ruderstifthalterung umzubauen. Auch hier musste ich kreativ werden. Die Ruderbank selbst hat einen Knachs den ich aber ehrlich gesagt nicht laminieren wollte. Stattdesssen habe ich ein entsprechend zugeschnittenes Abwasserrohr drunter geklemmt, funktioniert auch. Ihr seht schon, es war mehr zu tun als nur ein bisschen neue Farbe auf den Bootskörper zu pinseln…

Nun die Frage aller Fragen: Würde ich nochmal ein Boot restaurieren? Ganz ehrlich, ja. Aber nur wenn die entsprechende Location vorhanden ist. Für das Lackieren und die meisten anderen Arbeiten musste ich jedes Wochenende (meistens Sonntags) bzw. im Urlaub von meiner Wohnung zum Boot 1,5h pendeln -einfach. Und das nur um eine oder zwei Schichten Lack aufzutragen. Das zermürbt einen schon ziemlich. Hinzu kommt, dass ich dort keinen Strom, fließend Wasser oder sonstige Sanitäranalagen hatte. Heißt auf Deutsch: Ich musste mit Akkugeräten arbeiten, wenn die Finger schmutzig geworden sind, blieben sie das auch noch eine ganze Weile und am schlimmsten: Wenn die Natur gerufen hat, musste ich in den Wald scheißen. Sorry für diese deutlichen Worte.

Wenn man jetzt eine eigene Immobilie (Haus!!!) mit Garage (und keine pingeligen Nachbarn…) hat, kann man so ein Projekt wirklich sehr entspannt vorantreiben. In meinem Fall war das leider nicht so. Ich hatte wirklich Stress (zwischen den Lackschichten darf nicht zu viel Zeit vergehen, arbeiten muss man ja auch, einkaufen, Haushalt usw. macht sich auch nicht von alleine usw.). Letztendlich bin ich aber froh das Boot restauriert zu haben. „Mein“ Kraller ist halt jetzt mehr oder weniger perfekt auf meine Bedürfnisse zugeschnitten – das ist ja auch was wert. Apropos Wert,  ich rechne mal kurz zusammen was mich der Spaß so an Geld gekostet hat:

  • Boot 1000€
  • Excenter Schleifer mit Schleifmittel 140€
  • Edelstahlschrauben + Inserts 12€
  • Lacke 180€
  • Pinsel, Mischbecher, Microspheres, Epoxy Harz, Streichrollen 70€
  • Persenning (Plane hatte ich bereits im Keller, damals aber Anschaffungskosten von 60€)
  • Slipwagen (gebraucht über einen Freund, 100€)
  • Sonstiges Zubehör 50€
  • Atemschutzmasken und Gehörschutz hatte ich bereits aber hier kann man theoretisch auch 80€ veranschlagen)

Am meisten hat mich der Preis für die Lacke verblüfft. Gut, 2K Lack ist nicht billig aber so teuer hatte ich ihn mir nicht vorgestellt (und ich habe ihn zu den günstigsten Konditionen die ich online finden konnte, gekauft….). In Summe komme ich so bei ca. 1700€ raus. Das ist für ein Kraller Boot kein schlechter Preis. Hätte ich den GelCoat am Boot belassen und nur zwei bis drei Schichten Lack auf die Außenhaut gerollert, wäre ich preislich vermutlich bei gut 1300-1400€ gelandet… Aber wie heißt es doch so schön: Manchmal muss man halt Lehrgeld bezahlen….

Pete
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1 Antwort
  1. Patryk
    Patryk sagte:

    Mega Peter.
    Respekt !!!
    Schöne Arbeit hast du verrichtet und ein top Ergebnis erzielt!
    Dazu ein schönen Blog Eintrag.
    Weiter so
    Gruß

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