Die Fischotterproblematik

Kaum einer kennt ihn, kaum einer hat ihn je gesehen, zumindest in Natura. Das gilt mehrheitlich für die meisten Angler die sich hierzulande ab und an am Wasser aufhalten. Dabei galt diese Art früher in Deutschland als relativ häufig – sehr zum Leidwesen von Fischzüchtern und Mönchen.

Der Wandel von einer Agrar in eine, nennen wir es mal digitale, oberflächliche und maximal übertriebene Toleranz Bussi Bussi Gesellschaft, kommt auch dem Fischotter zu Gute.

Wurde er früher noch massivst bejagt (da er ja in direkter Nahrungskonkurrenz zum Menschen stand) genießt er heute die Sympathie vieler Menschen (die leider vor lauter Oberflächlichkeit und Toleranz vergessen haben woher die Nahrung auf ihren Tellern eigentlich kommt…die Kühe sind nicht Lila und Fischfilets wachsen nicht auf Bäumen…).

Natürlich bedient der Otter irgendwo das Kindchen Schema mit seinem putzigen Gesicht, den großen Kulleraugen und dem tapsigen Gehabe an Land.

Vermutlich ist diese gesellschaftliche Blindheit gegenüber diesem Wassermarder daran schuld, dass er sich seit einigen Jahren verstärkt von Tschechien her nach Deutschland ausbreiten kann – sehr zum Leidwesen der ansässigen Fischzüchter. In den letzten Jahren mussten viele davon leider diesen Erwerbszweig aufgeben wegen der großen, durch den Fischotter verursachten Schäden. Unglücklicherweise verhält sich der Fischotter nicht sonderlich wirtschaftlich wenn er genug Nahrung zur Verfügung hat. Er wird „picky“ wie die Amis so schön sagen. Heißt im Klartext, er tötet und frisst nur die schmackhaftesten und nahrhaftesten Teile des Fischs (welche meist für den Menschen ohnehin uninteressant sind). Dazu zählen Hirn und Leber. Den Rest, also die für den menschlichen Verzehr interessanten Teile lässt er bei einem Überangebot an Nahrung oftmals liegen. Genau dies führt zu massiven Einbußen in der kommerziellen Teichwirtschaft. Bedenkt man, dass ein ausgewachsenes Tier eine tägliche Menge von etwa einem Kilo Fisch benötigt, kann man sich in etwa vorstellen wir schnell eine kleine Otterfamilie einen Teich mit Forellen und Karpfen leer gefressen hat wenn davon nur die nahrhaftesten Teile verzehrt werden.

Zwar unterliegt der Otter dem Jagdrecht, eine Entnahme ist aktuell aber nicht zulässig.

Allerdings muss man auch sagen, dass der Otter seit jeher zur Fauna dieses Landes gehört hat auch im Sinne der Arterhaltung und dem Entgegenwirken der steten Stagnation der Biodiversität und nach wie vor seinen Platz in Deutschland hat. Allerdings muss auch hier sanft durch den Menschen eingegriffen werden denn der Otter hat aufgrund vieler „Fehler“ in den vergangenen Jahrhunderten keine natürlichen Feinde mehr in Deutschland. Früher galten Wolf, Luchs und Seeadler als Fressfeinde, heute ist es nur noch der Mensch (und der hat diesen Marder unter vollständigen Schutz gestellt…). Finde den Fehler…

Zwar breiten sich Luchs und Wolf zunehmend wieder in Deutschland aus, allerdings wäre es vermessen anzunehmen, dass das Ökosystem hierzulande sich schon soweit regeneriert hat, dass sich zwischen diesen Tieren ein nivelliertes Räuber-Beute Verhältnis ausgebildet hätte. Während der Otter wegen der oftmals leichten Nahrungssuche die Nähe des Menschen sucht, meiden Luchs und Wolf tunlichst jedweden Kontakt zu den Zweibeinern.

Eine problemlose und unbürokratische Kompensation für durch den Otter verursachte Schäden wie es sie in der Viehwirtschaft durch den Wolf verursachte Schäden gibt, ist noch in weiter Ferne und kommt für viele (!!!) Fischzüchter bereits zu spät.

Leider ist der Mensch in der Setzung seiner Prioritäten oftmals auf einem Auge blind.

Fisch zählt, eine artgerechte Haltung und nur mäßiger Einsatz von Medikamenten vorausgesetzt, als eines der gesündesten Lebensmittel. Egal ob im Süß- oder im Salzwasser, überall schwinden die Wildfischbestände und unsere Politik hat nichts Besseres zu tun den möglichen Alternativen dazu, nämlich der traditionellen Teichwirtschaft bzw. der Fischzucht, das Leben schwer zu machen indem man einem der Hauptverursacher der Schäden einen Persilschein gibt anstatt eine gezielte und reglementierte Entnahme der Otter anzustreben.

Die Argumentation der Tierschützer ist recht einfach. Ihrer Meinung nach gibt es keine gesicherten Zahlen über die aufkeimende Population an Ottern in Deutschland. Das mag durchaus richtig sein, allerdings wird auch nichts unternommen um den Schaden von den Teichwirten fernzuhalten. Gäbe es eine einfache Lösung den Otter von kommerziellen Zuchtteichen fernzuhalten, würden das die Fischzüchter auch machen. Leider scheint die einzige nachhaltig effektive Methode der Bau eines Zauns zu sein. Die Sicherung von Gewässern mittels eines Elektrozauns wie man ihn aus der Weidewirtschaft kennt, hat sich leider als nicht sonderlich effektiv erwiesen. Die Otter flitzen teils darunter hindurch. Durch die starke Isolation seines Körpers durch den Pelz ist der Otter auch nicht so anfällig für Strom. Recht gut kann man dies in diesem Video aus der Oberpfalz sehen, welches mir freundlicherweise zugetragen wurde. Es hat hier gar den Anschein als ob er Anlauf nehmen würde um unter dem Stromzaun hindurch zu flitzen.

Die Installation eines festen, ottersicheren Zauns würde je nach Gewässergröße den mehrfachen Jahresverdienst eines Fischzüchters kosten….

 

Pete

Qualitöter in einem ISO 13485 Betrieb bei ...stellt Biosensoren her
Geboren, Grundschule, Gymnasium, Uni usw. Seit 2009 im Qualitätsmanagement einer Firma für Biosensoren/Schnelltests
Erste Angelschritte im Jahr 1990

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